Sommerrundbrief 2020

Jul 25, 2020 | Allgemein, Rundbrief

In God we trust

oder

Sisi tunatibu, Mungu anaponya

Liebe Freunde und Bekannte, Unterstützer und Interessierte,

während Europa erneut in Angst, Zwiespalt und Ratlosigkeit angesichts der Corona-Pandemie versinkt, folgen die Tansanier dem obigen, ursprünglich amerikanischen Motto: „In God we trust“ oder dem neuen Motto des St. Clare Krankenhauses „Sisi tunatibu, Mungu anaponya“, zu deutsch:

„Wir behandeln, Gott heilt.“

Viele von euch / Ihnen haben uns während der letzten Monate immer wieder
gefragt, wie es denn in Afrika bzw. Tansania gehe, mit Corona und überhaupt. Die Berichterstattung über Afrika in unseren Medien ist wenig aussagekräftig und schon gar nicht differenziert für bestimmte Länder; deshalb zuerst ein Kurzbericht über die sogenannte „Coronazeit“ in Tansania.‘

Im Anschluss berichten wir über die Entwicklung des St. Clare Hospitals und
unsere neuesten Projekte, mit unserem Highlight einem Personal-Paten-Programm 😊.

1. Corona in Tansania

Zwischen Gebet und Angst, dem Präsidenten Magufuli und dem afrikanischen Lifestyle

Als Mitte März die Infektionszahlen in Deutschland stiegen, Schulen geschlossen und europaweit Ausgangsbeschränkungen und Lockdowns beschlossen wurden, blickten die Tansanier fassungslos nach Europa.
Weil man trotz des Versuchs sich von den ehemaligen Kolonialherren zu lösen nach wie vor darauf vertraut, dass wir Europäer schon wissen, was zu tun ist, wurde entschieden, dass auch in Tansania die Schulen komplett geschlossen werden. Das heißt von Mitte März bis Juli ist ein Großteil der tansanischen Bevölkerung nur daheim rumgesessen oder hat sich auf der Straße rumgetrieben. Auch hier versuchte man teilweise das
homeschooling.
Wie gut dies in einem Land funktioniert, in dem schon der normale Schulunterricht an staatlichen und auch privaten Schulen oft schwierig ist, weil es an guten Lehrern mangelt und die Klassen oft viel zu groß sind, kann man sich vorstellen. Vor allem, wenn man sich überlegt, wie kompliziert und nervenzehrend bei uns in Deutschland für viele Familien die letzten Wochen waren; in unserem so überentwickelten, digitalisierten Land. Einerseits weil auch in Deutschland nicht jede Familie über einen Computer und Drucker verfügt und weil die Eltern nicht alle die geborenen Lehrer sind; andererseits musste oft nebenbei auch im Homeoffice gearbeitet werden und nicht alle Schulen und Lehrer verfügen über die nötigen Skills und die richtige Ausstattung. Dies alles sind „Schul-Probleme“, die die Tansanier tatsächlich nur am Rande beschäftigt haben – einen Computer haben hier die wenigstens zu Hause, von Drucker brauchen wir nicht zu sprechen – , weil es hier ums
Überleben geht.

Stellt euch / stellen Sie sich einmal vor, wie es wohl in den von Thomas liebevoll als „tansanische Hütterl“ bezeichneten Wohnorten der Tansanier aussieht, wenn man einen kompletten Lockdown beschlossen hätte, wie in so vielen Orten der westlichen Welt?

Meistens lebt mindestens eine Großfamilie unter einem Dach – das heißt, viele Menschen auf einem Raum. Viele Eltern waren selbst nur kurz in der Schule, wenn überhaupt, und können ihren Kindern daheim nicht bei den Hausaufgaben helfen, auch wenn alle wissen, dass eine gute Schulbildung und eine anschließende Ausbildung der Schlüssel im Kampf gegen Armut ist.

Die Arbeitslosigkeit in Tansania ist enorm hoch und viele Familien wissen sowieso nicht, wie sie ihre Rinderhorde am nächsten Tag ernähren sollen. Wer nicht arbeiten geht, bringt auch kein Geld heim. Denn ein funktionierendes Sozialsystem oder staatliche Subventionen für existenzbedrohte Geschäfte und Firmen gibt es hier nicht. Kurzarbeit, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe sind Fremdwörter, von denen Tansanier nur träumen
können.

Angesichts dieser oben genannten Rahmenbedingungen sind also nicht nur Schulschließungen problematisch, sondern ein Lockdown undenkbar. Die Tansanier hatten die Wahl: Machen wir es wie die Kenianer, die auch eine Ausgangssperre einzuhalten hatten und mehr oder weniger in der eigenen Wohnung verhungerten und nur noch auf Kredit leben können, so berichtete ein kenianischer Freund von Thomas und mir, oder leben wir trotz Virus weiter wie bisher? Nachdem das Leben sowieso auf der Straße stattfindet und viele Menschen nichts zu essen hätten, wenn sie nicht jeden Tag in die Arbeit gehen oder Arbeit suchen, entschied man sich für Zweiteres und fährt offensichtlich gut damit.

Natürlich sehen viele von uns die Entwicklung und die fehlenden Maßnahmen gegen das Virus kritisch. Aber, auch wenn dieser Satz vielleicht provokant ist, vielleicht können wir in dieser besonderen Situation von den Afrikanern lernen?

Weder Thomas, der hier lebt, noch ich, wo ich seit drei Wochen hier bin und das ganz normale Leben ohne Restriktionen und Abstandsregeln genieße, haben irgendeine Idee, warum hier alles so anders ist und offensichtlich funktioniert. Es gab keine Coronatests bei Einreise, man sitzt in der Kirche, im Bus und im Daladala so nah beieinander wie eh und je. An manchen Stellen gibt es noch zusätzlich aufgestellte Händewasch-Eimer, aber sonst ist von Corona nichts zu merken; außer dass sich die Tansanier lustig machen über die restriktiven Maßnahmen auf der Welt und stolz sind auf ihr Land.

Warum das Virus Tansania offenbar nur so milde getroffen hat, führen der Präsident und die Tansanier darauf zurück, dass sie gerade in den ersten Tagen fleißig zu Gott gebetet haben und er ihnen geholfen hat. Wieviele Coronafälle es in Tansania tatsächlich gibt, weiß wohl niemand. Fakt ist, dass es kein heimliches Massensterben oder überfüllte Krankenhäuser gibt, über die niemand im Ausland berichtet. Wer nicht so tief im Glauben
verwurzelt ist, führt den milden Verlauf vielleicht eher auf folgende Tatsachen zurück:

  1. In Afrika hat man Erfahrung mit Pandemien und weiß die normale Handwasch- und Nieshygiene in jedem noch so kleinen Lokal oder Straßenimbiss einzuhalten.
  2. Das Durchschnittsalter der Tansanier ist 18; viele Menschen, die bei uns in die Risiko-und Hochrisikogruppen aufgrund ihres Alters eingestuft wurden, gibt es hier gar nicht mehr, weil das durchschnittliche Sterbealter bei 65 liegt.
  3. Das tansanische Leben findet draußen auf der Straße statt. In abgedichteten Räumen schläft man höchstens, d.h. der Luftaustausch der Aerosole ist wohl deutlich besser.
  4. Die Menschen sind viel weniger mobil; gereist wird nur für die Arbeit oder um Verwandte zu besuchen.
  5. Es leben viel weniger Menschen auf deutlich mehr Platz. In Zahlen: Tansania ist 2-3mal so groß wie Deutschland, hat aber bisher nur ca. 50 Millionen Einwohner.

Woran immer es liegen mag, bisher leben die Tansanier ohne weitere Angst und Restriktionen.

2. Neuigkeiten aus St. Clare

Steigende Patientenzahlen und abschließende Bauarbeiten

In den letzten Monaten dachte Thomas schon, dass er wegen Corona St. Clare als Sterbehospital umstrukturieren müsse. Aber Gott sei Dank, war dem nicht so. Allerdings hat die Coronazeit auch den Start des St. Clare Hospital erheblich beeinflusst. Denn statt Patientenströmen, die die verschiedenen Facharztpraxen so nach und nach seit dem neuen Jahr belebten, blieben die Patienten ab Mitte März aus. Denn jede Klinik, die einen Corona-Patienten aufnehmen würde, müsste das gesamte Personal in Quarantäne schicken. Deshalb wurde der große Durchbruch noch nicht erreicht und gerade gilt Father Thomas‘ Sorge der Verdopplung der Patientenzahlen in jedem Monat und die Inbetriebnahme sämtlicher Fachbereiche (Radiographie mit Röntgen, Mammographie, Ophtalmologie, CT-Scan, Ultraschall; Augenarztpraxis, Zahnarztpraxis, Labor, Gynäkologie, Sprechstunden der Spezialisten für Urologie und Chirurgie). Außerdem werden mittlerweile Patienten auf der Männer- und Frauenstation stationär aufgenommen.

Nebenbei schließen die fleißigen lokalen Handwerker noch die letzten Bau- und Feinarbeiten an den Hauptgebäuden ab, das IT-System wird installiert, das neue Laborgebäude eingerichtet und nach und nach werden mehr Leute eingestellt.

Seit Anfang August wird der Ausbau des ersten und zweiten Stockwerks der Verwaltung und Apotheke mit viel Gehämmere und Geklopfe umgesetzt, in denen vor allem das Apothekenlager sowie weitere Verwaltungsräume entstehen sollen. Das Geld dafür steht schon lange bereit, doch wegen Corona haben sich auch die Bauarbeiten verzögert. Es geht ein herzlicher Dank dafür an die Sternsinger diesen Jahres, die dafür über 100.000 € gesammelt haben. Dies ist der letzte Gebäudeteil, der noch nicht fertig ist. Danach ist Father Thomas endgültig nur noch Arzt und Priester und nicht mehr Baumeister 😊.

Weitere Infos zum aktuellen Stand gibt’s ab Herbst auf der Homepage unter zwei neuen Rubriken, die sich im Aufbau befinden, woran wir in diesem Sommer fleißig arbeiten.

3. Thomas‘ große Sorge

Unsere Lösung: das Personal-Paten-Programm


Thomas‘ große Sorge ist – wie immer 😊 – das Geld. Und zwar diesmal nicht im Hinblick auf den Ausbau der Klinik, sondern, was zu tun ist, damit sich die Non-Profit-Klinik, die ausschließlich aus euren und Ihren Spendengeldern gebaut ist, selber trägt. Dazu gehört die Bezahlung des bereits eingestellten Personals, damit sie mit guter Medizin und niedrigen Preisen besonders armen Patienten in der Region wirklich helfen können.

Ein Hauptproblem ist, dass die sehr günstige Krankenversicherung für die kleinen Leute auch die vereinbarten Preise viel zu spät bezahlt – nach ca. 4 Monaten oder länger – und dass bestimmte Leistungen gestrichen werden, sodass das St. Clare Krankenhaus auf vielen Auslagen sitzen bleibt. Dies ist ein bekanntes Problem bei vielen Kliniken in Tansania, das sich wohl fürs Erste nicht beheben lässt. Denn dafür wäre eine Beitragserhöhung notwendig oder ein ordentlicher staatlicher Zuschuss. Beides ist in einem armen Land, das sich gerade vor dem Wahlkampf und nach der Corona-Krise befindet, eher schwierig.

Das heißt, die Bezahlung des Personals ist anders zu lösen, nachdem die Starthilfe der Diözese München und Freising, aufgebraucht ist und wegen Corona der große Durchbruch nur schleppend verlaufen ist. Zwei Lösungsstrategien haben wir dafür entwickelt:


1. Werbekampagne vor Ort


Anfang August gab es deshalb das erste große Werbemeeting von Verwaltungspersonal, Wazungus (Weißen) und allen, die sonst im Bereich „Advertisement“ mitmischen wollen. Denn auch wenn das Krankenhaus ja vor allem für die Armen und Bedürftigen gebaut ist, muss erstmal die Werbetrommel auf verschiedene Arten gedreht werden, um in der Region für faire Preise und guten Service einen Namen zu bekommen.
Neben diversen Schildern, Leuchtreklame und Radio-Ansagen steht für uns selbstverständlich die Pflege der Homepage der St. Clare Foundation und die Kreierung der zweiten Homepage für die Tansanier auf dem Plan sowie die Überprüfung, welche Social Media hier am effektivsten zu nutzen sind, und die saubere Eintragung bei Google Maps, das auch hier verwendet wird.
Vor Ort wird fleißig in Pfarreien und Schulen geworben, an der Kundenzufriedenheit im Krankenhaus gearbeitet und mit Lautsprechern Werbung auf den Straßen gemacht.

Außerdem waren wir mit ein paar jungen motivierten Mitarbeitern auf einer Messe, um uns zu informieren, wie andere Krankenhäuser für sich werben und was dabei wichtig ist.

2. Personal-Paten-Programm in Kooperation mit Deutschland

Oft werden wir angesprochen, weil ihr / Sie gerne Pate für ein Kind wärt und das Schulgeld übernehmen möchtet; oder weil eine bestimmte Person, die es besonders nötig hat, Geld bekommen soll. Dazu ist eigentlich der Sozialfonds von Missio, den Dr. Thomas Brei dafür verwenden darf, um Bedürftige in egal welcher Form zu unterstützen.

Um Spenden in den Sozialfonds ein bisschen attraktiver und persönlicher zu machen und vor allem um das Personal des Krankenhauses wirklich zu unterstützen und Thomas einige Last von den Schultern zu nehmen, haben wir uns etwas besonders überlegt.

Wir, das sind: Constanze, Thomas‘ Assistentin und ehemalige Voluntärin und Lukas, mein IT-, Designer- und Bergfreund aus Ruhpolding, der die 5 Wochen Sommerurlaub mit mir hier in Tansania verbringt, um in St. Clare zu helfen.

Wir haben uns ein Personal-Paten-Programm überlegt, 😊 und hoffen, dass es regen Zuspruch findet.

Spenden Sie!

Helfen Sie mit, in Tansania eine gute und faire medizinische Versorgung zu ermöglichen, indem sie den Aufbau unseres St. Clare Hospital in Mwanza unterstützen.

Bitte geben Sie bei der Überweisung Ihre Spender-Adresse an, so dass wir einen Dank und/oder eine Spenden-Quittung für Sie erstellen können.

Bei einer Spende bis 200€ gilt der Kontoauszug als Spendenquittung und wir ersparen den Mitarbeitern von Missio und den hilfsbereiten Damen in Velden viel Arbeit.

Spendenkonto:

Missio München

LIGA Bank München
IBAN: DE96 7509 0300 0800 0800 04
BIC: GENODEF1M05
Projektnummer: 53137-1048
Projekttitel: Weiterleitung von Spenden /
Sozialfonds Pfr. Brei

Spendenkonto:

Velden

Kath. Kirchenstiftung Velden
LIGA Bank München
IBAN: DE19 7509 0300 0102 3499 14
BIC: GENODEF1M05
Stichwort: St. Clare Hospital / Tansania

Dr. med. Thomas Brei
Missionary Doctor

St. Clare Clinic Foundation
P.O. Box 75
Mwanza
TANZANIA