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Hintergründe zur St. Clare Hospital Stiftung

Jun 8, 2021 | Allgemein

Gesellschafts- und Gesundheitspolitischer Hintergrund

Die Mehrheit der Bevölkerung Tansanias – das Durchschnittsalter liegt bei 18 Lebensjahren (im Vergleich dazu: das durchschnittliche Alter der Bevölkerung lag in Deutschland im Jahr 2015 bei 42,8 Jahren für Männer und 45,6 Jahren für Frauen, gemäß Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung) – kann sich eine adäquate, moderne medizinische Diagnostik und Therapie einfach nicht leisten. In einem Land wie Tansania muss natürlicherweise ein großer Schwerpunkt auf Kindern und Jugendlichen liegen, wenn eine Gesundheitseinrichtung für die Gesamtpopulation des Landes offensteht.
Glücklicherweise hat sich die medizinische Grundversorgung in Tansania in den letzten Jahren flächendeckend verbessert – fast überall, auch an entlegenen Orten findet man Mutter-Kind-Kliniken, in denen die von der WHO empfohlenen Impfungen verabreicht und Vorsorgeprogramme in Schwangerschaft und früher Kindheit durchgeführt werden; über das ganze Land verteilt gibt es die Care and Treatment Kliniken (CTC) für die Betreuung von HIV-Infizierten; ebenso Tuberkulosekliniken; Lepra ist schon fast landesweit verschwunden. Antibiotika zur Behandlung der wichtigsten allgemein-medizinisch bedeutsamen und tropischen Infektionskrankheiten sind so gut wie überall erhältlich.
Gleichzeitig ist die Zahl der Allgemeinmediziner in den letzten Jahren stark gestiegen, da eine Vielzahl kleiner und kleinster Ausbildungsinstitute jährlich große Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt entließ.
So hat sich der große Bedarf auf die fachärztliche Medizin verlagert, da die in Tansania allgemein üblichen, leicht behandelbaren Gesundheitsprobleme in der Breite versorgt werden und auch eine umfänglichere Diagnostik möglich ist als früher; dies hat zur Folge, dass schwerwiegende Erkrankungen zwar diagnostiziert aber aufgrund des Fachärztemangels, der Konzentration der Facharztdichte auf den Bereich der größten Städte und durch den Mangel spezialisierter, fachärztlicher Einrichtungen oft nicht oder nur sehr unzureichend behandelt werden können.
Die größte Mangelware sind in der Tat kompetent durchgeführte Operationen aller Art – die Zahl der Operationen ist zu gering und die Preise zu hoch für die hiesigen Verhältnisse und die Breite der Bevölkerung; von den Krankenversicherungen, die chronisch unterfinanziert sind so wie das gesamte Gesundheitswesen in Tansania, wird für die noch wenigen Krankenversicherten nur ein kleiner Teil des Operationsbedarfes finanziell gedeckt.

Sozialethischer Hintergrund

Die Leitbegriffe für die Arbeit des St. Clare Hospitals stammen aus der Katholische Soziallehre, die durch Papst Leo XIII. im 19. Jahrhundert begründet wurde: Unser Konzept orientiert sich an den Inhalten der Begriffe “Solidarität” und “Subsidiarität”. Solidarität bedeutet in unserem Zusammenhang, dass das St. Clare Hospital für Arme und für Reiche gleichermaßen attraktiv sein soll: Die medizinische Behandlung ist für alle von derselben möglichst guten Qualität, während Sonder- und Zusatzleistungen (z.B. Einzelzimmer, Fast Track Behandlung) von Privatpatienten entsprechend der Leistung bezahlt werden; durch die Einnahmen aus Sonder- und Zusatzleistungen werden die allgemeinen Gesundheitsdienste für die ökonomisch schwachen Patienten subventioniert. Subsidiarität hingegen hat hier die Bedeutung, dass wir jeden Patienten anhalten, zur Finanzierung seiner Behandlung nach Kräften beizutragen – bei niedrigen und niedrigsten Preisen im Vergleich zu den ansonsten ortsüblichen Tarifen; ohne natürlich jemals dringende Nothilfe zu unterlassen.

Religiöser Hintergrund

Das St. Clare Hospital befindet sich auf dem Gelände der Schwestern der Heiligen Klara von Assisi am äußersten Stadtrand von Mwanza am Victoria-See. Der franziskanischen Überlieferung nach, hatte Klara den Heiligen Franziskus zur Pflege in das Kloster San Damiano bei Assisi aufgenommen, als er durch seine asketische und entbehrungsreiche Lebensweise mit nur 40 Jahren geschwächt und erkrankt, mit den Wundmalen Christi gezeichnet und fast erblindet war – dort dichtete Franziskus selber beinahe blind den berühmten Sonnengesang. Aus diesem Grund scheint es sehr passend, dass ein Krankenhaus bei den Klarissen-Schwestern den Namen dieser Patronin trägt.
Nichtsdestotrotz ist die Gemeinschaft der Klarissinnen ein Orden der Kontemplation, der Klausur und des abgeschiedenen Gebetes – die Schwestern, vor mehr als 60 Jahren aus Frankreich und Indien (Kerala) stammend, allesamt aber inzwischen einheimische Afrikanerinnen, verrichten deshalb nicht den unmittelbaren Dienst im Krankenhaus, sondern dienen den Patienten in Verwaltung, Wäscherei, Näherei und Küche.

Dr. med. Thomas Brei
Missionary Doctor

St. Clare Clinic Foundation
P.O. Box 75
Mwanza
TANZANIA