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Sommerrundbrief 2021

Sep 29, 2021 | Neuigkeiten, Rundbrief

Biblischer Prolog

„Josef antwortete dem Pharao: Nicht ich, sondern Gott wird zum Wohl des Pharao eine
Antwort geben. Da sagte der Pharao zu Josef: In meinem Traum, siehe, da stand ich am
Nilufer. Siehe, aus dem Nil stiegen sieben Kühe, fett im Fleisch und von schönem Aussehen,
und weideten im Riedgras. Doch siehe, nach ihnen stiegen sieben andere Kühe herauf,
elend, von sehr hässlicher Gestalt und mager im Fleisch. Nie habe ich so etwas Hässliches in
ganz Ägypten gesehen. Die mageren und hässlichen Kühe fraßen die sieben ersten, fetten
Kühe auf. Sie verschwanden in ihrem Bauch, aber man merkte nicht, dass sie darin waren;
sie sahen ebenso hässlich aus wie am Anfang. Dann wachte ich auf.
Dann sah ich in meinem Traum: Siehe, auf einem einzigen Halm gingen sieben volle, schöne
Ähren auf. Doch siehe, nach ihnen wuchsen sieben taube, kümmerliche, vom Ostwind
ausgedörrte Ähren. Die kümmerlichen Ähren verschlangen die sieben schönen Ähren. Ich
habe das den Wahrsagern erzählt, aber keiner konnte mir Kunde geben.
Darauf sagte Josef zum Pharao: Der Traum des Pharao ist ein und derselbe. Gott hat dem
Pharao kundgetan, was er vorhat: Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre und die
sieben schönen Ähren sind sieben Jahre. Es ist ein und derselbe Traum. Die sieben mageren
und hässlichen Kühe, die nachher heraufkamen, sind sieben Jahre und die sieben leeren,
vom Ostwind ausgedörrten Ähren sind sieben Jahre Hungersnot.
Das ist es, was ich zum Pharao sagte: Gott ließ den Pharao sehen, was er vorhat: Siehe,
sieben Jahre kommen, da wird großer Überfluss im ganzen Land Ägypten sein. Nach ihnen
aber werden sieben Jahre Hungersnot heraufziehen: Da wird der ganze Überfluss im Land
Ägypten vergessen sein und Hunger wird das Land auszehren. Dann wird man nichts mehr
vom Überfluss im Land merken wegen des Hungers, der danach kommt; denn er wird sehr
drückend sein. Dass aber der Pharao gleich zweimal träumte, bedeutet: Die Sache steht bei
Gott fest und Gott wird sie bald ausführen. Nun sehe sich der Pharao nach einem klugen,
weisen Mann um und setze ihn über das Land Ägypten.
Der Pharao möge handeln:…“ (Gen 41,16-41)

Liebe Freunde und Bekannte,
Unterstützer und Interessierte,

so wie der Pharao in jener Geschichte des Alten Testaments zum
Handeln aufgefordert wird, so geht es Pfarrer Dr. Thomas Brei und
seinem Team gerade. Auch sie müssen handeln, denn die 70
Millionen tansanische Schilling (TSZ), die das St. Clare Krankenhaus
gerade hier in Tansania Schulden hat, machen ihnen große Sorgen.
Umgerechnet sind das ca. 25‘000 €, was für ein tansanisches
Krankenhaus ein relativ hoher Betrag ist. Das entspricht den
gesamten Personalkosten eines Monats.
Dem Team von St. Clare geht es gerade wie den Ägyptern in jener
wunderbaren Geschichte des Volkes Israel, die wir alle in der
Schule im Religionsunterricht gelernt haben und die im Vorwort
nachzulesen ist. Nach 7 fetten Monaten von September 2020 bis
März 2021 folgen jetzt gerade die 7 dürren Monate in St. Clare.
Nur leider gab es keinen Traum wie in der Bibel, der im Vorhinein
die mageren Monate ankündigte und durch eine clevere Deutung
des von Gott geschickten Josefs dafür sorgte, dass man auf diese
Dürrezeit vorbereitet war.

Und selbst wenn man sich auf Monate mit geringeren Einnahmen vorbereitet
hätte, wäre dennoch die Frage, von welchem Geld Rücklagen auch in den
„fetten“ Monaten gebildet werden sollen, wenn man gerade ein „Start-Up“-
Krankenhaus ist, das vor allem von Armen und Kranken lebt.

Aufgrund verschiedener Probleme, die wir im Lauf des Rundbriefes genauer
erläutern, bekommen die Angestellten am Anfang des Monats gerade nur die
Hälfte des Gehalts und im Lauf des Monats den zweiten Teil, wenn wieder
etwas Geld eingegangen ist; diese Sorgen bereiten dem Management-Team
so manche schlaflose Nacht.
Das heißt, wenn euch oder Ihnen beim Lesen etwas einfällt, wie wir die
finanzielle Lage stabilisieren können, wären wir sehr dankbar.

Doch es gibt auch viel Positives zu berichten: Über den erfolgreichen Start
des Krankenhausbetriebs, so manches angelaufene Projekt, den 50.
Geburtstag unseres Missionars und auch ein bisschen landeskundlichen
Hintergrund.
Viel Freude beim Lesen und danke für euer und Ihr großes Interesse und die
beständig hohe Spenden- und Unterstützungsbereitschaft.

1. Corona in Tansania

Neue Politik mit „Mama Samia“, alte Baustellen und normale Sorgen

Ein altes Wahlplakat vom letzten Jahr zeigt, womit der mittlerweile verstorbene Präsident
Furore machte: Bauen, Förderung staatlicher Institutionen und Aufbau eines
funktionierenden Steuersystems. Seine Botschaft war „Wir sind kein armes Land, wir
müssen uns nur auf die Hinterfüße stellen“. Seit seinem Tod im März regiert zum ersten
Mal eine Frau das große Land unterhalb des Äquators. „Mama Samia“, wie sie von allen
liebevoll genannt wird, hat eine deutliche leisere Gangart eingeschlagen und ist dabei, so
manche rigorose Entscheidung ihres Vorgängers rückgängig zu machen. Dies führt bei
vielen Baustellen und vielen strukturellen Umbrüchen zu Stillstand. Beispielsweise ist
nicht klar, was mit der Straße passiert, die zu St. Clare führt: Wird sie jetzt geteert oder
nicht? Oder die Frage, inwieweit private Krankenhäuser gefördert werden? Woher soll all
das Personal für die neu gebauten staatlichen Krankenhäuser genommen und bezahlt
werden?
Von dem ganzen Corona-Durcheinander wollen wir mal nicht sprechen. Ja, es gibt hier
Corona und es sterben auch Menschen an und mit dieser Krankheit. In St. Clare gibt es
eine kleine Isolierstation und manchmal werden Patienten auch ins große Unikrankenhaus
verlegt. In manchen Krankenhäusern in Tansania sind die Zahlen der an Covid-19
erkrankten Patienten im Sommer rasant gestiegen, Mundschutze erfreuen sich großer
Beliebtheit.
Mit der neuen Präsidentin hat auch in Tansania ein Covid-19-Impfstoff den Weg hierher
gefunden und es werden, sofern Impfstoff vorhanden, zunächst das medizinische
Personal als auch andere wichtige Berufsgruppen geimpft. Insgesamt ist auch hier die
Bevölkerung zwiegespalten in Menschen, die glauben, dass um Corona zu viel Wind
gemacht wird und welchen die große Angst davor haben; und Menschen, die versuchen
sich vorsichtig zu verhalten und Leuten, die nicht so recht wissen, was Sache ist. Die Liste
lässt sich, wie bei uns in Deutschland/Europa sicher fortsetzen.

Fakt ist, dass man sich auch hier in Tansania überhaupt nicht einig ist, ob eine Impfung gut
oder notwendig, sinnvoll oder gefährlich ist. Insgesamt kann man jedoch sagen, dass das
Leben in Tansania bis auf ganz wenig Ausnahmen – wie komische Antigen-Tests am
Flughafen, die in der Form, wie sie durchgeführt werden, leider ziemlich sinnlos scheinen
– seinen gewohnten Gang geht. Nachdem das Durchschnittsalter bei 17 liegt, das Leben
meist auf der Straße stattfindet und es hier noch haufenweise andere gefährliche
Krankheiten gibt, sind die Situation und der Umgang mit einen neuen Virus anders.

Die Schulen erfreuen sich einer hohen Besuchsquote ohne weitere Lockdowns oder
Maskenpflicht. Ehrlich gesagt gibt es wohl keinen Ort in Tansania, an dem Kinder sicherer
und besser aufgehoben sind als in der Schule. Dort gibt es Struktur – dies zeigt sich nicht
nur an der Uniform –, und sie lernen etwas fürs Leben – hoffentlich 😉 –, sie bekommen
Essen und ein Dach über dem Kopf, was manchmal schon mehr ist als im oft chaotischen
Zuhause. Das Bildungssystem Tansanias wäre einen eigenen Rundbrief wert, aber
nachdem wir ja einen Rundbrief schreiben, um über ein Krankenhaus zu berichten,
erstmal nicht.

Auch die Geschäfte und Hotels, egal ob kleine Straßenlädchen, afrikanische Essstände,
größere Supermärkte oder Hightech-Lodges sind geöffnet und werden ganz normal
besucht. Der Kirchenbesuch in Tansania ist ja für viele Christen hier jeden Sonntag
obligatorisch; gesungen wurde in Tansania immer und auch eine Maskenpflicht oder
Social-Distancing-Vorgabe hat man hier nur kurz probiert. bzw. ist nicht verpflichtet.
Vermutlich auch deshalb, weil die Kirche in Afrika eine ganz andere Stellung hat als bei
uns. Der verstorbene Präsident hat letztes Jahr alle Bürger Tansanias dazu aufgerufen
angesichts der Coronapandemie zu Gott zu beten. Dies zeigt, dass man in Tansania dem
Gebet und Gott eine andere Bedeutung im Leben einräumt als bei uns in Europa, über die
es sich eventuell nachzudenken lohnt.

2. Neuigkeiten aus St. Clare Hospital

2.1 Alltag im Krankenhaus – über Morningmeetings, Spezialisten und die
verschiedenen Abteilungen

Schwarz-rot-gold erstrahlt das Verwaltungsgebäude des St. Clare Krankenhauses seit
zwei Wochen. Hinsichtlich dieser Farbauswahl sind sich Dr. Thomas, das Personal und die
Patienten sowie die vielen Gäste und Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern nicht ganz
einig; worin wir uns allerdings einig sind, ist die Freude darüber, was sich IN dem Gebäude
und auf dem ganzen Krankenhausgelände getan hat, im Vergleich zum letzten Sommer.
Ja, St. Clare ist mittlerweile ein richtiges Krankenhaus, in dem täglich zwischen 70 – 200
Patienten behandelt werden. Ca. 90 Leute sorgen dafür, dass es den Patienten rundum
gut geht und der Krankenhausbetrieb sich weiter verbessert, um den vielen Kranken eine
fachlich gute und freundliche Behandlung zu ermöglichen.

Jeder Tag beginnt mit dem obligatorischen Morning-Meeting des gesamten Personals um
8 Uhr, das vom „Katechista“, also einem Geistlichen, mit einer Minipredigt und einem
gemeinsamen Gebet für den Tag eröffnet wird. Anschließend bekommt die
Pflegedienstleitung das Wort und berichtet, wie viele Patienten am vorigen Tag behandelt
wurden, ob es Krankenkassenpatienten waren oder Selbstzahler und wie viele Patienten
stationär aufgenommen wurden.
Danach gibt es allgemeine Ansagen von Lushinge, dem Verwalter; manchmal wird darum
gebeten, die Arbeit ordentlicher zu machen, eine Uniform zu tragen oder bestimmte
Formulare sauber auszufüllen; an anderen Tagen stehen Krisenmanagement und der
Appell zu Ehrlichkeit und Offenheit auf dem Programm. Im Anschluss bekommt Dr.
Dennis, der Chefarzt, das Wort.
Manchmal ergänzt Dr. Thomas noch etwas, Gäste werden vorgestellt oder bestimmte
Projekte angesprochen. Mit den Worten „kazi njema“ (gute Arbeit) verlassen die Leute aus
der Verwaltung (Registrierung, Kasse, IT) und dem Hygieneteam (Reinigungskräfte,
Wäscherinnen) die Veranstaltung und gehen ihrer Arbeit nach, während medizinischen
und pflegerischen Mitarbeiter über die stationären Patienten und besondere Fälle
sprechen.

m Lauf des Tages werden viele Patienten mit ganz unterschiedlichen Diagnosen
untersucht und behandelt und im Bedarfsfall stationär aufgenommen. Das CT läuft und
die Radiologie erfreut sich insgesamt hoher Besuchszahlen, sobald ein Radiographer seine
Arbeit besonders ernst nimmt. Im Lauf der Woche gibt es verschiedene SpezialistenSprechstunden, für die täglich Termine vergeben werden. Dr. Thomas betreut z.B. dreimal
wöchentlich selbst das Urologie-Department, während fünfmal in der Woche ein
Gynäkologe da ist und Augenärzte viermal wöchentlich erscheinen.
Die Chirurgie wird sowieso bald boomen, wenn mit Dr. Martin, ein deutscher Arzt, ab
November für drei Jahre seinen Beitrag als Chef-Traumatologe in St. Clare leisten wird
und dabei sicherlich von vielen SES-Experten, die gerade wegen der von der deutschen
Botschaft ausgerufenen Corona-Warnung hier im Land nicht einreisen dürfen, unterstützt
wird. Immerhin war im Mai/Juni Dr. Thomas Kühn von der Kühn-Foundation zusammen
mit einem IT-Freund für sechs Wochen in Tansania und konnte einiges bewirken, im
Hinblick auf die Organisation des OP und der Entladung der zwei neu angelieferten
Container, die u.a. voller orthophädischem Material waren.

In der Wartehalle versucht eine aufmerksame Krankenschwester die wartenden Patienten
in der Ambulanz so auf die Bankreihen zu verteilen, dass sie gleich vor dem richtigen
Sprechzimmer warten. Im Labor und der Apotheke bemüht man sich um die
Hintergrundarbeit, während die Damen in der Wäscherei und Schneiderei dafür sorgen,
dass die Bettlaken und Uniformen sauber und ordentlich sind. Im ersten Stock des
Verwaltungsgebäudes versuchen die IT-Jungs die täglich auftauchenden Probleme zu
lösen. Den härtesten Job hat wohl das Verwaltungsteam, das Woche für Woche mit
neuen Schwierigkeiten kämpft: Ob Enttäuschungen mit dem Personal oder finanzielle
Probleme verschiedener Art, fehlende Strukturen oder Bürokratieschlachten –
Krankenhausmanagement ist nicht nur bei uns kein Vergnügen.

Wer liest, wie es in St. Clare gerade läuft, der denkt sich vielleicht, „Wow, krass – das ist ja
ein deutsches Krankenhaus“ und alles funktioniert hervorragend…?
Bitte glaubt das nicht. Es ist für uns immer ein Balance-Akt, einen guten Mittelweg zu
finden, um einerseits vom großen Fortschritt, der sich ja wirklich zeigt, zu berichten, und
andererseits trotzdem die vielen vorhandenen Probleme und tragischen Einzelschicksale
zu benennen. Ja, wir alle haben wirklich viel geschafft in den letzten Jahren und es ist toll
zu sehen, wie aus einem Rohbau vor vier Jahren ein Krankenhaus geworden ist und
trotzdem gibt es noch jede Menge zu tun. Lest selbst:

2.2 Probleme über Probleme: das liebe Geld, menschliche Abgründe und die
Nähe zur Landwirtschaft

Die größte Sorge des Management-Teams, das die Leitung von St. Clare Hospital als NGO
zum 1. April übernommen hat – wir berichteten im Osterrundbrief 21 – ist mal wieder das
liebe Geld. Während bis März häufig knapp 200 Patienten im täglichen Durchschnitt
ambulant oder stationär behandelt wurden, sind die Zahlen im August endgültig
eingebrochen und es kommen nur noch 70 Kranke täglich. Gemeinsam wurde gerätselt,
woran das liegen könnte, nachdem wir nicht glauben (können), dass so schnell der
langsam steigende gute Ruf von St. Clare Hospital vor allem bei den ärmeren Patienten
schon wieder gesunken ist.

Problem 1: Ein Krankenversicherungssystem im Auf- und Umbruch
Ja, es gibt eine Krankenversicherung in Tansania. Der sogenannte „NHIF“ (National Health
Insurence Fund“), bei dem sich zumindest manche, auch nicht gut verdienende Tansanier,
den Beitrag leisten können, der an Gehalt und Familienverantwortlichkeiten angepasst
wird. Das Problem mit den sogenannten „NHIF“-Patienten ist für private Krankenhäuser
jedoch, dass früher tatsächlich 85% der Behandlung in vergleichsweise kurzer Zeit dem
Krankenhaus rückerstattet wurden. Seit der letzten Wahlperiode im Herbst letzten Jahres
hat dies überhaupt nicht mehr funktioniert und viele Krankenhäuser wie St. Clare, die
davon abhängig sind, dass das Geld zeitnah erstattet, weil sie sonst ihre Mitarbeiter nicht
bezahlen können, haben höchstens 50% wieder bekommen und dies erst nach bis zu 8
Monaten Wartezeit. Mit der scheidenden Krankenhausleitung ließ man den Vertrag mit
NHIF auslaufen und seit April wurden nur noch Selbstzahler behandelt. Deshalb sind wohl
viele Patienten weggefallen, die sich trotz niedriger Preise die Behandlung in St. Clare
Hospital nicht leisten können oder wollen, weil sie Versicherungsbeiträge zahlen. Da die
Leitung des NHIF davon Wind bekommen hat, dass St. Clare Hospital als ein erstes gut
ausgestattetes Krankenhaus beschlossen hat, keine weiteren Kassenpatienten zu
behandeln, ist einer der Chefs selbst hier erscheinen, man klärte die Probleme und die seit
mehr als einem halben Jahr ausstehenden 80 Millionen TSZ (30’000 €) wurden dann
bezahlt. Mittlerweile ist man dabei einen neuen Vertrag nicht nur mit NHIF, sondern auch
anderen Krankenversicherungen auszuhandeln, um möglichst vielen den Weg nach St.
Clare zu ebnen. Ein grüner Container für die Registrierung und Kostenabrechnung der
versicherten Patienten steht schon bereit.

Für manche von unseren Lesern sind diese ganzen Zahlen, Versicherungsprobleme und
Hintergrundinformationen vielleicht etwas enttäuschend, weil sie gerne etwas über die
heldenhafte Rettung fast schon verstorbener Babys, hilfsbedürftiger Erkrankter oder über
dramatische OPs, in denen Leben gerettet wurde, lesen wollen würden. Oder weil sie
bestimmte Vorstellungen haben, wie medizinische Entwicklungshilfe in Afrika aussehen
könnte oder sollte. Doch auch hier haben sich die Zeiten geändert und echte Hilfe ist
auch in einem Entwicklungsland mittlerweile häufig institutionalisiert, wenn sie versucht
nachhaltig zu sein und vor allem vielen Menschen den Weg zu guter Medizin zu eröffnen.
Während der letzten Jahre hat unser Missionsarzt oft gegrübelt, ob es nicht zielführender
wäre und seinem Wunsch, den Armen und Kranken zu helfen, nicht mehr entsprechen
würde, das Krankenhaus und die damit verbundenen bürokratischen, strukturellen,
finanziellen und personellen Probleme einfach ad acta zu legen und sich besser „unter
einen Baum zu setzen und einfach Arzt zu sein“.

Wer jedoch nachhaltig und für viele etwas verändern will, der muss wohl in unserem
Jahrhundert einen anderen, manchmal so viel mühsameren Weg gehen.
Wir sind dankbar dafür, wieviele von euch und Ihnen, diesen Weg schon lange mit
großem Interesse und so vielen verschiedenen Arten von Unterstützung mitgehen, dass
es uns wichtig ist, auch die Hintergrundinformationen nicht zu verschweigen. Deshalb ein
paar weitere Blicke hinter die Kulissen von St. Clare Hospital:

Problem 2: In Abhängigkeit von den Gaben der Natur – das landwirtschaftliche Jahr
Ein weiterer Grund, warum gerade weniger Patienten in St. Clare Hospital sind, ist die
Abhängigkeit der ärmeren Tansanier in den vielen kleinen Dörfern rund um die große
Metropole Mwanza von der Landwirtschaft. Denn zum Arzt kann ich nur gehen, wenn ich
Geld habe. Im April/Mai wird die erste Ernte nach dem großen Regen eingefahren und
dementsprechend verkauft. D.h. in den folgenden wenigen Monaten haben viele
Menschen mehr Geld als sonst. Im August, auf dem Höhepunkt der Trockenzeit, ist dann
leider alles weg; schließlich birgt der Alltag hohe Kosten für viele Geringverdiener: Essen,
Haus, Schulgeld usw. D.h., selbst wenn ich krank bin und ein „armer Schlucker“ auf dem
tansanischen Land, werde ich mir dreimal überlegen, ob ich das wenige Geld, das ich
monatlich bekomme, einem Arzt gebe, weil ich mich unwohl fühle oder Schmerzen habe,
oder lieber ein neues Tshirt für die Schuluniform meiner Kinder kaufe, dass sie nicht gar
so zerlumpt aussehen; oder einen Sack voll Reis, damit zumindest die Nahrung für die
nächste Woche gesichert ist. Im September wird wieder neu angebaut und gegen Ende
des Jahres sollte auch wieder etwas Geld vorhanden sein, um ins Krankenhaus zu gehen…

Problem 3: Betrug und Egozentrik stehen auf der Tagesordnung
Man sollte ja meinen, dass in einem Land, in dem oft sozialer Zusammenhalt gefordert
wäre, weil es beispielsweise kein funktionierendes soziales Auffangnetz gibt, die
Menschen besser aufeinander schauen und füreinander da sind.

Doch weit gefehlt: Viele Tansanier vertreten schon deutlich die These: Wenn ich mir nicht
selbst der Nächste bin, ist es keiner. Diese Härte, die sicherlich nicht nur durch die
Kolonialzeit bedingt ist, sondern auch durch das harte Leben in großen Familien, in denen
oft eine ganz andere Form von Familienkultur herrscht, als wie wir sie uns in der
westlichen Welt wünschen und vorstellen, kommen viele Menschen schnell zu der
Erkenntnis, dass man lieber durch Betrug und Egoismus zum Ziel kommt als gar nicht.
Wenn sich sonst keiner für mich interessiert bzw. meine Eltern, Großeltern, Geschwister
und anderen Verwandten dies nur tun, weil sie sich anstelle eines Sozialsystems, wie wir
es in der westlichen Welt pflegen, dazu verpflichtet fühlen, dann bin ich allein auf mich
gestellt und muss schauen, was aus mir wird.

Das machte es superschwer einander ehrlich zu vertrauen bzw. Menschen zu finden, die
bereit sind, irgendetwas zu tun, was nicht nur ihrem eigenen Vorteil dient, sondern, die
bereit sind, Verantwortung für andere, ja für ihren Betrieb, für ihr Land, zu übernehmen.
In einem spannenden Gespräch mit Dr. Thomas und einer weiteren deutschen Ärztin, die
schon lange in Tansania tätig ist, haben wir festgestellt, dass wohl beide Phänomene zum
gleichen Missstand führen: Der erhöhte Individualismus unserer Zeit in der westlichen
Welt und die fehlende emotionale Liebe und echte, nicht nur pflichtbewusste Fürsorge
füreinander wie häufig in Tansania. Am Ende stehen auf einer Seite immer Menschen, die
andere enttäuschen, weil man ihnen vertraut hat und sie einen ausgenutzt haben, weil sie
auf ihren eigenen Vorteil aus waren; und auf der anderen Seite ratlose und verletzte
Menschen, die Gutes wollten und wieder einmal eine tiefe Enttäuschung erlebt haben,
weil sie jemand ihr Vertrauen und ihr Herz geschenkt haben.

Gerade während der letzten Wochen ist dies zweimal in St. Clare Hospital passiert, was
sowohl das Management-Team als auch andere Mitarbeiter an die Grenzen des
gegenseitigen Verständnisses gebracht hat und was etliche Ressourcen, auch finanzieller
Art, gebunden hat, wenn z.B. ein Vertrauter nicht nur nicht gescheit arbeitet, sondern auch
betrügt.

3. Kooperationen

3.1 Wasso Hospital – alte Liebe, neue Sorgen

Viele von euch fragen uns immer wieder, wie es denn eigentlich in Wasso Hospital
aussieht. Jenem Wirkungsort von Fr. Thomas, den einige von euch / Ihnen schon besucht
haben, an dem Thomas bis 2018 hauptsächlich tätig war.
Wasso Hospital, das vor knapp 60 Jahren von dem österreichischen Arzt und Priester
Herbert Watschinger gegründet wurde, liegt idyllisch in der hügeligen Landschaft im
Norden Tansanias. Wenn man dort durch die Gegend läuft, vorbei an den
hochgewachsenen, schlanken Massai mit ihren bunten Kleidern, hat man das Gefühl, in
eine andere Zeit eingetaucht zu sein. Leider schleift sich dieses Gefühl auch ein, wenn
man dort durch das Krankenhaus geht, sowie wir es in diesem August getan haben.
Es fehlt an allen Ecken und Enden die Motivation etwas zu verändern oder die Zügel in
die Hand zu nehmen. Thomas‘ großer Wunsch wäre schon lange eine gute Kooperation
von St. Clare Hospital und Wasso Hospital. Dass man z.B. eine Art „Genossenschaft“ für
den Einkauf von Medikamenten bildet, dass regelmäßige Outreachkliniken stattfinden –
dass also Spezialisten aus Mwanza für eine Woche o.Ä. nach Wasso rüberfahren und
fachärztliche Dienste anbieten – dass man sich in vielen Dingen zusammentut, um
Abläufe zu vereinfachen und sich gegenseitig zu unterstützen, zum Wohl der Armen und
Kranken in beiden Regionen.
Leider macht die sehr komplexe Zuständigkeits- und Entscheidungsstruktur von Wasso
Hospital dies sehr mühsam und schwierig.
Wir warten ab, wie sich eventuelle Kooperationen auch in Zukunft gestalten können,
nachdem uns die Kooperation mit Wasso aus verschiedenen Gründen am Herzen liegt.

3.2 Korotambe – unsere erste Outreach-Klinik

Was wäre ein tansanisches Krankenhaus ohne Outreach-Klinik? 😉 Die Tradition der
sogenannten „Outreach-Kliniken“ gibt es nicht nur in Wasso Hospital, sondern in vielen
Krankenhäusern Tansanias. Die Grundidee ist, dass ein großes Krankenhaus mit der
entsprechenden Infrastruktur eine kleine Exklave außerhalb ihres unmittelbaren
Einzugsgebiets unterstützt und mit medizinischem Material und Personal ausstattet. Da
das Land riesig ist und es nur wenig Krankenhäuser gibt, soll dadurch die medizinische
Grundversorgung auch entlegene Gegenden erreichen.

In Korotambe, einem kleinen Ort, nahe an der kenianischen Grenze, ist der Bedarf hoch
und die persönliche Verbindung gut. Der Chefhandwerker der Werkstatt von St. Clare
Hospital, namens Master – er heißt wirklich so – kommt aus diesem kleinen Ort, und hat
Dr. Thomas Brei schon lange darum gebeten, dort tätig zu werden.

Nachdem sich nun auch die Zusammenarbeit mit dem dortigen Bischof, der seinen Sitz in
der nächstgrößeren Stadt Musoma, hat, als sehr angenehm und freundlich herausstellt,
einigte man sich im Management-Board darauf, es in Korotambe mit einer ersten
Outreach-Station zu versuchen. Der zuständige Nursing Officer Issa freut sich schon auf
die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Er ist nach dem Antrittsbesuch Ende
August dort geblieben und kümmert sich um den Aufbau der Außenstation.

4. Unser Missionar wird 50

Zwei wundervolle afrikanische Geburtstagsfeiern

Am 20. August ist unser Missionsarzt Thomas Brei 50 Jahre alt geworden 😊.
Dies ist einer der Gründe, warum einige Menschen aus verschiedenen Ländern extra
angereist waren, um z.B. ihre Aufgaben als Botschafterinnen der Diözese München und
Freising wahrzunehmen. Fr. Dr. Xaver Komba, Thomas‘ langjähriger Mitbruder und guter
Freund aus Tansania wollte extra aus Dodoma anreisen, Daniel und Alex aus Kenia waren
schon da, und mit Constanze waren diesmal zwei ihrer besten Freunde und Seniorexperte
Herbert vor Ort. Doch was tun, wenn das Geburtstagskind gar nicht feiern will?
Es kostete sowohl die Klarissenschwestern, auf deren Gelände das St. Clare Krankenhaus
steht als auch mich als Thomas ehemalige Volontärin und PR-Managerin einige Mühen,
ihn zu überreden, dass es ja vielleicht doch ganz nett wäre, ein bisschen zu feiern. 😊

Mit Blick auf zwei tolle Nachmittage und Abende mitten in trubligen und anstrengenden
Arbeitswochen haben sich unsere Überredungskünste und die Mitbringsel aus
Deutschland sicher gelohnt.
Ein erstes Highlight war die Vorabendmesse, die Thomas selbst zelebrierte. Vor den
Klarissenschwestern und seinen internationalen Freunden und Gästen predigte der vor 20
Jahren zum Priester geweihte Missionar über Licht und Dunkel im Leben, durch die Gott
ihn allezeit geleitet hat und in ihm immer wieder neue Momente der Hoffnung und den
Glauben an das Gute trotz aller Schwierigkeiten entzündete.
Im Anschluss an die Messe bewiesen die Klarissinnen, dass sie keineswegs nur
kontemplativ, sondern auch sehr feieraktiv sein können. Mit einer wundervollen Musik-
und Tanzeinlage, bei der jede der Ordensfrauen dem Missionar eine Blume übergab,
eroberten sie nicht nur das Herz ihres Seelsorgers, sondern auch seiner Gäste. Nach ein
paar Reden, einer Vorstellungsrunde und der Übergabe einer zweistöckigen Torte,
dinierten das Geburtstagskind und seine Gäste zusammen mit einer Abordnung der
Ordensfrauen bis spät in die Nacht.

Am nächsten Tag schaffte es das Personal beim Morning-Meeting drei verschiedene
Lieder anzustimmen und erfreute sich der Gummibärchen, die Thomas an seine
Mitarbeiter verteilte.
Der Nachmittag und Abend gehörte einer fröhlichen Mischung aus Personalvertretern,
Gästen und Freunden aus der Ferne und Nähe. Auf Thomas‘ Wunsch durfte ich den MC
(Masterin of ceremony) spielen – so heißt das hier in Afrika – und organisierte an der
georderten Location das gewünschte Programm. Wir fuhren nach Waghill, einer
wundervollen Lodge auf einer Halbinsel im Viktoriasee ganz in der Nähe und ließen es uns
den ganzen Nachmittag und Abend bis spät in die Nacht gut gehen.
Für 18€ pro Person bekam eine fröhliche Mischung Menschen aus vier Ländern einen
Welcome-Drink, einen Plantsch im Pool – das haben nur wir verrückten weißen
Youngster und Thomas unbedingt gebraucht 😉 – einen Sunset-Cruise auf dem
Viktoriasee und ein wundervolles Abendessen mit mehreren Gängen. Dazwischen bekam
Thomas eine Gesangseinlage mit Gitarre und Trommeln von uns Deutschsprachigen; dazu
„servierten“ unsere Afrikaner eure und Ihre Geburtstagspost – Danke dafür.
Und damit weder Thomas noch sein afrikanisches Personal die Unkosten tragen musste,
zahlte einfach jeder, der konnte, seinen Beitrag selbst, und lud einen anderen, der selbst
weniger Geld hatte, ein. Eine wunderbare Lösung, die wir gerne weitergeben.

Während des Abendessens teilten sich Xaver Komba, als langjährigster und eloquentester
Freund, sowie ich, als gefühlte Botschafterin unserer Diözese und vieler Unterstützer, die
offizielle Geburtstagsrede in Thomas‘ „big und little five“ seiner guten Eigenschaften.
Unser Missionar selbst blickte an diesem Abend dankbar auf seine bisherige Lebenszeit
zurück und hoffnungsvoll in seine hoffentlich lange Zukunft, wie man auf der Titelseite
erkennen kann.

Wir brauchen eure Unterstützung für Gehälter und Soziales !

Um den Kranken eine gute medizinische Versorgung zu bieten, brauchen wir unser Personal in St. Clare Hospital.
Wenn wir unsere Ärzte, Pfleger und die anderen Angestellten nicht bezahlen können, können wir niemand behandeln.

Wenn ihr uns also helft, dass möglichst viel Geld in den Sozialfonds kommt, dann können wir damit die dürren Monate überbrücken und vielen ärmeren Patienten helfen.


Bitte geben Sie bei der Überweisung Ihre Spender-Adresse an, so dass wir einen Dank und/oder eine Spenden-Quittung für Sie erstellen können.

Bei einer Spende bis 200€ gilt der Kontoauszug als Spendenquittung und wir ersparen den Mitarbeitern von Missio
und den hilfsbereiten Damen in Velden viel Arbeit.

Spendenkonto:

Missio München
LIGA Bank München
IBAN: DE96 7509 0300 0800 0800 04
BIC: GENODEF1M05
Projektnummer: 53137-1048
Projekttitel: Weiterleitung von Spenden /
Sozialfonds Pfr. Brei

Spendenkonto:

Velden
Kath. Kirchenstiftung Velden
LIGA Bank München
IBAN: DE19 7509 0300 0102 3499 14
BIC: GENODEF1M05
Stichwort: St. Clare Hospital / Tansania

Dr. med. Thomas Brei
Missionary Doctor

St. Clare Clinic Foundation
P.O. Box 75
Mwanza
TANZANIA