SC Hospital – Sommerrundbrief 2022

Sep 14, 2022 | Allgemein, Neuigkeiten

Liebe Freunde und Helfer,
Unterstützer und Bekannte,

„Lete Mzungu“ (= „bring den Weißen“) hallt es jedem Weißen auf den Straßen Tansanias zur Zeit entgegen. Die Freude der Tansanier einen Weißen zu sehen, hat einen neuen Höhepunkt erreicht 😊 und sie ist ein guter Einstieg in unseren gemeinsamen Sommerrundbrief aus Mwanza.

Denn beim Fußballverein Simba, einem der beiden tansanischen Topklubs, gibt es seit Neuestem nicht nur einen weißen Trainer, sondern auch einen weißen Spieler. Leider hat dieser Spieler bis vor kurzem die hohen Erwartungen der Tansanier nicht erfüllt, weshalb man schon an seiner fußballerischen Kompetenz gezweifelt hat. Und dann passierte Folgendes: In einem entscheidenden Spiel gegen den Erzfeind Yanga wechselte der Trainer den weißen Spieler (auf Kiswahili: „Mzungu“) ein… und er schoss das Tor des Abends, das den Simbas den Sieg bescherte. Seitdem gibt es eine neue Fußballhymne beim Fußballverein Simba: „Mlete mzungu“ = bring den Mzungu… (Kann man sich übrigens ganz wunderbar auf Youtube anhören).

Nein, wir haben nicht die „Sportart“ gewechselt und beschlossen, dass wir jetzt lieber einen tansanischen Fußballverein unterstützen als ein Krankenhaus, auch wenn ihr auf der Homepage mittlerweile die Abkürzung
für St. Clare Hospital, SC Foundation, lest, was ja auch ein Sport Club sein könnte 😉.

Sondern die Fußballanekdote ist ein Sinnbild für das Problem, das in Tansania in so vielen Institutionen und NGOs auftritt, die von der Entwicklungszusammenarbeit geprägt sind: Es ist unglaublich schwierig, die Tansanier davon zu überzeugen, dass sie die Lösungen für die Probleme und Themen in ihrem Land selbst in der Hand haben. Auch im SC Hospital wird immer noch regelmäßig nach dem Weißen geschrien, der wie ein Fußballspieler eingewechselt wird, um dann schnell die entscheidenden „Pässe“ und „Tore“ zu erzielen.

Außerdem wollen wir mit einer Fußballgeschichte einmal mitten hinein in den tansanischen Alltag springen und auch unsere vielen nicht so bibelfesten oder religiösen Unterstützer würdigen, für deren Mitarbeit wir genauso dankbar sind wie für die vielen christlich Motivierten. Nach dem Motto: Fußball geht immer und überall 😉.

Doch genug vom tansanischen Nationalsport. Es gibt wieder viele Neuigkeiten über Land und Leute, das SC Hospital und die Zusammenarbeit aus Deutschland. Für alle drei Kapitel haben wir verschiedene Leute interviewt und um Informationen und ihre Meinung gebeten…

1. Tansania, Tansania

1.1. Ein Land mit nur 22 Millionen Einwohnern?

Die Tansania- und Ostafrikakenner unter unseren Lesern werden gerade schallend lachen…denn Tansania gilt als eines der Länder mit der höchsten Geburtenrate und soll 2050 zu den acht meist bevölkertsten Ländern gehören. Doch das Ergebnis der Volkszählung vom frisch ausgerufenen Feiertag am 23. August zeigt, dass das irgendwie nicht ganz so gut geklappt hat wie gedacht. An diesem Tag sollten in jeder Region des weiten Landes ALLE Menschen gezählt bzw. befragt werden, wieviele Menschen bei ihnen zuhause übernachtet haben, um zu wissen, wieviele Menschen wirklich in Tansania leben. Nach dem die Zahl ca. 1/3 der vermutlichen Einwohnerzahl darstellt, lässt sich wohl sagen, dass man es vielleicht doch anfangen muss, wie zur Zeit von Josef und Maria, wo jeder in seine Geburtsstadt gehen musste, um sich eintragen zu lassen 😊.

Ansonsten war dieser Tag ein aufregendes Ereignis: Die Kinder haben extra noch eine Woche länger schulfrei gehabt, die Behörden waren geschlossen, es wurde gefeiert und auf allen Kanälen versuchte man die Menschen zu erreichen, um sich zählen zu lassen. Sogar aufs Handy wurden SMS mit einer Nachricht der Präsidentin geschickt, damit man sich der Wichtigkeit des Zensus bewusst wird. Schauen wir mal, wie das Endergebnis letztendlich lautet, aber die Zahl der Einwohner, die die Zeitungen bisher veröffentlicht haben, zeugen von einer hohen Dunkelziffer 😊.

1.2 Steigende Preise, teures Benzin, aber keine Angst vor dem Winter

Die Tatsache, dass nicht nur in Europa und der ganzen westlichen Welt die Preise für Energie und Lebensmittel gestiegen sind, geht auch an Tansania nicht spurlos vorüber. Wir haben dazu von Dr. Thomas Brei Folgendes erfahren:
Zum billigsten Zeitpunkt in den vergangenen 3 Jahren kostete der Liter Diesel etwas unter 2,000 TZS.
In Dar es Salaam ist der Preis – staatlich festgesetzt – immer billiger; je weiter man sich von DSM entfernt, wird es teurer. Der Staat setzt die Treibstoffpreise nach staatlich veröffentlichten Preistabellen fest: Im letzten Jahr bewegten sich Diesel und Benzin um die 2,500 TZS. Für Diesel ist es momentan ca. 1,000 TZS teurer, also weniger als 50 % als im Durchschnitt des vergangenen Jahres. Nach massiven Protesten der Energieerzeuger und v.a. Spediteure ist Diesel jetzt wieder billiger als Benzin; Benzin ist ca. 50 % teurer als im Jahresdurchschnitt des vergangenen Jahres.
Nur dass die Einkommen eines Durchschnitts-Tansanier, die sowieso nicht besonders hoch sind, gleichgeblieben sind, auch hier ergänzt Dr. Thomas einige Informationen: Für die Staatsangestellten wurden jedoch Lohnerhöhungen von 30 % verkündet und gleichzeitig Tausende von Arbeitern in den Staatsdienst übernommen. Die Per-Diem Raten zusätzlich z.B. für Diplom-Halter im Staatsdienst für „Out of Station“ sind jetzt bei 160,000 TZS (= ca. 70 €) pro Tag, die wohl durch massive internationale Kredite, die die Präsidentin im
Gegensatz zum Vorgänger von der Weltbank, dem IWF und dem WEF anzieht finanziert werden; vermuten zumindest viele, die von Wirtschaft etwas verstehen. Gehälter aus Krediten – das ist nach dem kleinen Einmaleins der VWL ein sicherer Killer für die Wirtschaft und Währung eines Entwicklungslandes.

Zudem gibt es keine 9€-Tickets oder eine Senkung der Energiesteuer oder irgendwelche Steuererleichterungen, Rettungspakete oder Ähnliches von der Regierung gibt, sondern man kann sich halt dann einfach weniger leisten kann. Doch im Gegensatz zu uns wird hier nicht gejammert oder die Regierung dafür verantwortlich gemacht, das Problem zu lösen, sondern man akzeptiert das Problem bzw. erhöht halt dementsprechend auch die Obst- Busticket- und Taxipreise.
Natürlich müssen sich die Tansanier auch nicht mit dem Problem herumschlagen, wie man bei Minusgraden eine Wohnung oder eine Firma heizt, weil hier einfach nicht geheizt wird, außer die Feuerstelle mit Holz. Und dennoch macht man sich zwar Sorgen, aber auch nicht zu viel. Denn man lebt viel mehr im Hier und Jetzt als in der Zukunft und das Vertrauen in Gott und den Lauf der Welt ist bei vielen Afrikanern unerschütterlich.

1.3 Korruption und Abhängigkeit sind zurück

Seit gut 1,5 Jahren sind Korruption und Abhängigkeit zurück an der tansanischen Tagesordnung. Zunächst wusste man nicht, was „Mama Samia“, die Präsidentin dem Land so bringen würde. Nachdem Magufuli, der vorherige Präsident, gehörig aufgeräumt hatte und viele Menschen vor ihm Angst gehabt haben, blicken diejenigen, die sich dafür einsetzen, dass die Tansanier die Geschicke ihres Lands selbst in die Hand nehmen und
bereit sind, Verantwortung zu übernehmen für ihr Leben und Tun, davon überzeugt, dass Magufulis Weg der Richtige war. Er hatte es ein Stück weit geschafft, die Korruption einzudämmen und seine Mitbürger davon zu überzeugen, dass es nur durch eigene harte Arbeit gelingt, Tansania voranzubringen. Dass Kinder in die Schule gehen müssen, dass man sich nicht mehr abhängig machen soll von anderen Ländern und dass es keinen
Grund gibt, dass Staatsbeamte völlig überhöhte Gehälter und Tagesgelder auf Reisen bekommen, wurde gerade von der großen Mittel- und Unterschicht für gut befunden.
Präsidentin Samia Hassan ist laut der Meinung vieler in der Hand des Kikwete-Clans, der das Land vor der Ära Magufuli fest in seiner Hand hatte und Geld überwiegend außer Landes schaffte. Insgesamt zeigt sich auch in Tansania, dass der Wohlstand mehr wird; allerdings nur bei manchen. Während die Mittelschicht reicher wird, hat die sogenannte Unterschicht immer weniger Chancen.

2. Neuigkeiten aus dem SC Hospital

2.1 Ein Interview mit Lushinge Makelemo, Verwalter, und Nelitha Nestory, Pflegedienstleiterin

Das Schicksal des laufenden Betriebs liegt seit 01.04.2021 voll in der Hand der NGO, die vom Verwalter, der Pflegedienstleitung und dem Dr. in Charge geleitet wird. Deshalb haben wir, Tatjana Hämmerle und ich als Rundbriefschreiberin, Constanze Bär, uns mit zwei von ihnen zum Gespräch getroffen und die beiden berichteten, welche Themen sie im Krankenhaus beschäftigen. (Das Gespräch haben wir auf Englisch und Kiswahili geführt und dann übersetzt. Tatjana ist eine gute Freundin von Constanze und zum zweiten Mal
zur Mithilfe in Tansania. Sie hilft vor allem unserem kenianischen Homepagegestalter bei der Arbeit.)
Lushinge: Nach drei Monaten voller Aufregung sind wir jetzt endlich wieder ein bisschen zur Ruhe gekommen. Der Staat hat uns nämlich haufenweise Personal weggenommen und jetzt müssen wir ganz viele neu anlernen.
Constanze: Wie funktioniert das denn, wenn der Staat Leute von privaten Krankenhäusern, wie SC eines ist, abzieht? Wird man angeschrieben oder eingezogen oder wie geht das?
Nelitha: Die Jobs werden ausgeschrieben und jeder, der möchte, kann sich darauf bewerben. Aus dem SC Hospital haben sich einige Pfleger und Krankenschwestern sowie 4 Ärzte beworben und sind genommen worden. Die Anreize sind höhere Löhne, dauerhafte Anstellung, höhere Spesen, weniger Arbeit, ein sicherer Arbeitsplatz. Leider sind viele gegangen und wir haben jetzt das Problem, dass wir viele Menschen neu anlernen
müssen. Gerade sind wir dabei, die Krankenschwestern zu trainieren, damit sie uns hier gut im laufenden Betrieb unterstützen können.
Außerdem müssen wir das Vertrauen unserer Patienten wiedergewinnen. Denn viele sind von einem bestimmten Arzt regelmäßig untersucht worden und davon sind einige nicht mehr da. Wir bemühen uns also, dass die Patienten uns wieder bzw. weiterhin vertrauen.
Lushinge: Um das Vertrauen neuer Patienten zu gewinnen und sie zu überzeugen, dass wir in SC wirklich ihr Wohl und nicht den Profit als Ziel haben, veranstalten wir gerne sogenannte „Outreach-Kliniken“.

D.h. wir fahren irgendwo hier in der Nähe aufs Land oder an abgelegene Orte, wie z.B. in ein Waisenhaus untersuchen dort Menschen kostenlos und laden diejenigen, bei denen wir einen erhöhten medizinischen Bedarf sehen, zu uns in das SC Hospital ein. Wenn sie zu arm sind, um eine weitere Behandlung selbst zu bezahlen, versuchen wir die Kosten dafür aus dem Sozialfonds zu übernehmen. Die Outreach-Kliniken sind eine super Methode, um SC bei dem Klientel bekannt zu machen, das uns besonders am Herzen liegt. Dafür
haben wir extra Sr. Octaviana von den Herz-Jesu-Schwestern eingestellt. Sie kümmert sich jetzt um Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Das klingt jetzt ein bisschen kommerziell, aber wir wollen gerne, dass mehr Patienten von der Idee profitieren, dass eine gute medizinische Versorgung jedem zuteil werden soll, unabhängig von Einkommen, Herkunft und Stamm und nicht nur die Reichen von der Gesundheitsversorgung etwas haben.
Tatjana: Das klingt ja toll, dass ihr jetzt eine eigene Frau habt für das „Marketing und PR“ hier im SC und die Outreach-Kliniken scheinen super zu funktionieren. Vor allem die gute Mischung, ist cool: Das Bedürftige kostenlos behandelt werden und das gleichzeitig auch Werbung ist, um SC und das Konzept hier bekannt zu machen.
Constanze: Was gibt es denn sonst noch für Neuigkeiten, die unsere Unterstützer interessieren?
Nelitha: Wir haben angefangen, die Gastroenterologie-Abteilung aufzubauen inklusive Endoskopie. Dafür ist die Krankenschwester Judith aus Deutschland für längere Zeit hier und es kommt regelmäßig ein Arzt aus dem großen Krankenhaus hier in Mwanza, um uns zu unterstützen, weil wir bisher leider keinen eigenen Gastroenterologen haben.
Gerade versuchen wir mit der Hilfe von Dr. Brei einen deutschen SES-Experten zu gewinnen, dass er kommt, um unser Personal zusammen mit Judith zu schulen.
Lushinge: Außerdem versuchen wir geraden den Status eines Regional Hospital zu erreichen, weil wir bisher nur Distrikt Krankenhaus sind und wir deshalb viele Dienstleistungen nicht anbieten können…
Tatjana: Was bedeutet das? Und welche Art von Krankenhäusern gibt es denn in Tansania?
Nelitha: Je nach Anzahl der Patienten, der Angestellten und der angebotenen Dienstleistungen bekommt man einen bestimmten Status. Davon ist abhängig, welche medizinischen Maßnahmen von der NHIF, also der gesetzlichen Krankenkasse, übernommen werden. Es gibt: Dispensary (das ist nur so eine kleine medizinische Station), Health Center, District Hospital, Regional Referral Hospital, Zonal Referral Hospital und National Referral Hospital (= Muhimbili National Hospital / Dar es Salaam oder Benjamin Mkappa National Hospital / Dodoma).

Wenn wir es also schaffen, dass wir Regional Hospital werden, dann könnten wir endlich auch die CT-Scans und viele andere notwendige Untersuchungen bei der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen. Allerdings macht uns z.B. die notwendige Zahl der Angestellten Probleme…
Tatjana: Warum denn? Ihr habt doch viele neue eingestellt, oder?
Lushinge: Weil wir nur 86 Angestellte im Moment haben; es ist wieder besser geworden, aber als so viele weggegangen sind, um für den Staat zu arbeiten, sah es echt düster aus. Eigentlich bräuchte man 200 Angestellte, um ein Regional Krankenhaus zu sein. Wir versuchen es aber trotzdem, weil wir so gut ausgestattet sind und wir dann viel mehr Menschen helfen könnten und gleichzeitig kein Minus machen, weil wir ja auch unsere Angestellten und die Ausgaben des Krankenhauses bezahlen müssen.
Im Moment sind wir auf einem guten Weg, dass wir vergleichsweise wenig Schulden haben und unser Personal bezahlen können. Sie bekommen es zwar in 2 Raten, einmal Mitte und einmal Ende des Monats, aber immerhin. Und wir haben auch nicht zu viele Schulden bei den Pharmafirmen und anderen Läden. Deshalb sind wir tatsächlich zufrieden. Wir haben ausgerechnet, dass wir, wenn heute alle uns ihre Schulden zurückzahlen würden, nur 9 Millionen minus hätten.
Constanze (rechnet schnell um): Das wären ja ca. 4000 €. Das ist tatsächlich eine super Summe im Vergleich zu den Jahren vorher und auch generell.
Nelitha: Ja, das stimmt. Und gleichzeitig versuchen wir schon, es zu optimieren. Von den Rückzahlungen der Krankenkasse legen wir auch ein ganz bisschen zur Seite; das ist nicht viel, aber wir versuchen es wenigstens.
Lushinge: Bisher brauchen wir für größere Projekte und Reparaturen immer noch Hilfe aus Deutschland. Aber für das normale Alltagsleben klappt es mittlerweile ganz gut. Wenn zum Beispiel ein Gerät oder ein Auto eine größere Reparatur braucht oder wir etwas Neues anschaffen müssen oder wollen, haben wir das Geld einfach nicht, dann bitten wir Fr. Thomas immer mal um Hilfe durch Spendengelder.
Tatjana: Hm, ja, weil es keine Rücklagen gibt. Klar. Immerhin gibt es keine Miete für die Gebäude zu zahlen. Und dass ihr es wirklich schafft, den laufenden Betrieb durch eigene Einnahmen zu finanzieren und am Leben zu erhalten finde ich spitze.
Constanze: Ich auch 😊. Das ist echt ein super Fortschritt, auch im Vergleich zum letzten Sommer. Damals habe ich noch über die vielen Schulden und das Problem mit der Zahlung der Gehälter geschrieben. Vielleicht müsste man sich mal Geräte- oder Autopatenschaften überlegen… – wir können da ja mal weiter denken.
Vielen Dank für eure Zeit, dann können wir jetzt in Deutschland erzählen, was im SC so los ist. Und die vielen Menschen, die SC finanziell, ideell, materiell, spirituell und tatkräftig unterstützen, werden sich sehr freuen, dass das Geld der letzten Jahre jetzt Frucht bringt.

3. Projekte: Augenklinik, Blutbank und Physiotherapie

Wenn man die Bedarfsanalyse in Tansania mit den medizinischen und finanziellen Möglichkeiten des SC Krankenhauses korreliert, lässt sich schnell feststellen, dass hin und wieder eine Kurskorrektur notwendig ist. So hat sich z.B. herausgestellt, dass Orthopädie und Unfallchirurgie keineswegs so einfach kombinierbar sind wie ursprünglich gedacht; und dass es hingegen auf anderen Gebieten einen hohen Bedarf gibt, der
Menschen wirklich auch helfen würde. Wohingegen die Unfallchirurgie mit den momentanen zur Verfügung stehenden Mitteln einfach nicht bezahlbar ist.
Für die weitere Entwicklung des Krankenhauses und die Kommunikation nach Deutschland ist weiterhin Dr. Thomas Brei tätig. Er erzählt selbst von drei anstehenden Projekten:

3.1 Augenklinik

Schon seit Beginn des Krankenhauses spielt die Augenheilkunde eine kleine und dann immer größer werdende Rolle. Einige Ärzte und ein Optiker aus Deutschland unterstützen den Aufbau eines eigenen Eye-Departments im SC Hospital sehr. Und nachdem leider der Verkauf der sog. Ein-Dollar-Brillen nicht so gut gelaufen ist, wie gedacht, hat ein Unterstützer dieser NGO lieber eine Großspende an das Krankenhaus geleitet, damit ein
eigener Brillenladen entstehen kann. Gleichzeitig wollen die Spezialisten der Augenmedizin beim AKO (Arbeitskreis Ostafrika) – Dr. Achim Miertsch, Optiker Paul Mayer und Dr. Frank Engelbrecht – einen Assistant Medical Officer (AMO) für das SC Hospital zum Augenarzt ausbilden lassen. Dieser soll dann nach der Ausbildung der erste Tansanier im SC Hospital sein, der die Leitung für eine eigene, teil-selbständige
Klinik/Abteilung übernimmt. Ende Oktober kommen unsere beliebten Augen-Spezialisten des AKO aus Deutschland, um zwei Wochen lang ein Augenmedizin- und Optikcamp in und rundum SC abzuhalten. Wir sind schon ganz gespannt, wie viele Tansanier hinterher den Durchblick haben 😊 oder mit einem schicken neuen Brillen rumlaufen werden.

3.2. Projekt Krankengymnastik (Physiotherapie)

Im Lauf des letzten Jahres hat sich dank der intensiven Zusammenarbeit mit den Senior-Experten für Orthopädie und Unfallchirurgie, Dr. Gabriel Wasmer und Dr. Thomas Kühn (Kuehn-Foundation) herausgestellt, dass die Mehrzahl der Patienten auf diesem Gebiet der sog. „konservativen Therapie“ (Schmerzmedikation, anti-entzündliche Medikamenten-Behandlung, Krankengymnastik, Orthesen, Gipse, Extensionsbehandlung, Einlagen, Prothesen etc.) bedarf – und in unserem Umfeld oder generell nicht operativ behandelt werden kann oder muss.
Mit dem Weggang des Unfallchirurgen, Dr. Martin Krajewski, dessen Entwicklungshilfeeinsatz im SC Hospital nach dem ersten halben Jahr Probezeit frühzeitig beendet wurde, werden die Fragen der Orthopädie und Traumatologie wieder von unseren beiden Senior-Experten aus Deutschland sowie vor Ort v.a. durch den Niederländer Dr. Erik (Johan Frederik van Staal), der dem Krankenhaus seit Februar als Entwicklungshelfer auf dem Gebiet der Trauma- und Allgemein-Chirurgie zugehörig ist, und seiner Ehefrau Jiska Staal, die Fachkraft für Krankenpflege ist, diskutiert.
Krankengymnastik spielt für die Patienten dieses Fachgebietes eine wichtige Rolle, deshalb erscheint ein Ausbau der krankengymnastischen Einheit des Krankenhauses als ein konsequenter nächster Schritt – zumal es Thomas Kühn gelungen ist, viele hochwertige Sachspenden für die weitere Ausstattung einer solchen Abteilung in Deutschland zu erwerben, Sachspenden, die in zwei von der Entwicklungshilfe-Agentur der deutschen Bundesregierung „Engagement Global“ finanziell unterstützten Containern in Kürze auf den Weg nach Tansania gehen werden (vgl. weiter unten).

3.3 Ohne Blut läuft nix – Projekt „Blut-Spende-Einheit“

Bedingt durch eine schlechte Logistik, durch widrige traditionelle und religiöse Einstellungen und andere Faktoren ist Spenderblut in Tansania noch mehr Mangelware alsin Europa. Leider scheitern angemessene und zeiteffiziente Antworten auf Notfälle in unserem Umfeld häufig an der schlechten Verfügbarkeit von Transfusionen (in Tansania meist noch Vollblut-Transfusionen, seltener Erythrozyten-Konzentrate – andere
Blutprodukte sind praktisch nicht oder nur sehr selten zu haben). Besonders betroffen sind die geburtshilflichen Notfälle, bei denen es häufig für Mutter und Ungeborenes/Neugeborenes zu lebensbedrohlicher Blutarmut kommt. Natürlich brauchen auch Patienten der Trauma- und Allgemein-Chirurgie häufig akut und dringend
Blutübertragungen; bei Patienten der Inneren Medizin ist meist etwas mehr Zeit, um nach Spenderblut zu suchen.
Der Labor-Leiter des Krankenhauses, Nicholao Mlelwa, absolvierte vor wenigen Monaten eine Zusatzausbildung für Transfusionsmedizin. Aufgrund seiner Anwesenheit hätte das SC Hospital jetzt die Möglichkeit, eine eigene Blutbank zu betreiben und Blutspenden entgegenzunehmen.

Aus diesen Gründen wäre es ein sehr vorrangiges Projekt, eine Blut-Spende-Einheit im Krankenhaus aufzubauen. Insbesondere für die geplante geburtshilfliche Abteilung wäre dies eine wichtige Voraussetzung. Momentan verschleißt die Labor- und Krankenhausleitung große Ressourcen auf der Suche und „Jagd“ nach Spenderblut für Transfusionen.

4. Zusammenarbeit und Hilfe aus Deutschland

Container über Container – die tatkräftige Unterstützung durch die Kühn- Foundation

Viele von euch und ihnen haben schon mitgeholfen einen Container zu packen und ganz viele haben auch schon mal Material geschickt, dorthin transportiert oder weitergeleitet. Die Container stapeln sich mittlerweile ordentlich rund um das SC Hospital und ergänzen die aus Stein gebauten Räume. Sie fungieren als Lagerräume und beinhalten auch manchmal kleine medizinische Einheiten, wie z.B. die Physiotherapie.

Dass das Befüllen eines Containers nicht nur Zeit und Langmut erfordert, sondern auch viele Kompetenzen, haben wir in den letzten Jahren feststellen können. Umso dankbarer sind wir, dass Dr. Thomas Kühn mit der Kühn-Foundation und seinen vielen fleißigen Helfern uns nicht nur tatkräftig finanziell unterstützt, sondern er bereit war und ist, die komplette Logistik dafür zu übernehmen: D.h. vom Containerkauf über die Organisation von Lagerräumen, über die Sichtung des gesamten Materials sowie die Koordination von Material-Transporten übernimmt er die Verantwortung. Besonders hervorzuheben ist auch die viele schwere Arbeit, wenn es gilt, bei einer Krankenhaus- oder Praxisauflösung wirklich Körperkraft und Energie an den Tag zu legen und schwere Gerätschaften, Maschinen und Materialien, einzuladen, umzupacken und reisefertig zu machen.

Sein Team hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass nicht nur der gute Wille zur Hilfe da war, sondern auch jemand darauf geschaut hat, dass wir keinen Schrott nach Afrika bringen. Denn mit kaputten oder zu veralteten Sachen kann man auch in Tansania keine Medizin betreiben.

Wir danken ganz herzlich für die viele Zeit, Muskelkraft und das ganze Wissen, das Dr. Tomas Kühn zusammen mit seinen Helfern und den vielen anderen von euch und Ihnen, die immer wieder etwas Richtung Biberach ins Containerlager schicken, Transporte organisieren oder auf Materialien aufmerksam werden, nach SC investiert.

Ende des Jahres ist es wieder so weit: 2 bis zum Dach gefüllte Container machen sich auf die Weite Reise Richtung Hafen von Dar es salaam und werden wohl Mwanza im Dezember erreichen. Den einen Container ziert das Schwarz-Weiß-Bild eines jungen Mannes; Thomas Kühn berichtet dazu:

„Nico war ein junger Zimmermann, der nach einem schweren Unfall im Sterben lag. Ich habe ihn und seine Familie dabei begleitet. Aus Dankbarkeit sammelt die Familie anlässlich seiner Beerdigung Geld für die Kühn Foundation. Mit den 7000 €, die dadurch zusammenkamen, habe ich den einen Container kaufen können. Und deshalb hat ein Maler aus unserer Stadt das Bild von Nico auf den Container gemalt – als stilles
Gedenken und aus Dankbarkeit.“

5. Gedankenspiele: Palliativmedizin und Hospiz

Die große „Marktlücke“ in der tansanischen Medizin ist im Grunde die Palliativmedizin, stellen wir im Gespräch mit Fr. Thomas fest. Denn oft kommen Menschen in das SC Hospital, wenn sie vorher schon im großen Unikrankenhaus und an diversen anderen Orten waren. Und wenn man ihnen dann im SC sagt, dass es leider keine weiteren Behandlungsmöglichkeiten gibt, weil der Krebs zu weit fortgeschritten ist oder ähnliches, weil sie austherapiert sind und weil man hier bei vielen Krankheiten einfach noch weniger tun kann als in der sog. „Ersten und Zweiten Welt“, dann gehen viele Familien mit ihren sterbenskranken Angehörigen zum sogenannten „mganga“, zum Wunderheiler, als letzte Hoffnung. D.h. die Idee eines würdigen Sterbens in einem Krankenhaus, gibt es hier (noch) nicht. Ins Krankenhaus geht man nicht zum Sterben, sondern zum Gesundwerden und erst recht in ein Krankenhaus, in dem Weiße arbeiten, die oft als „allmächtig und
allheilend“ gelten. Trotzdem ist dies auch ein großer Vertrauensbeweis, dass Patienten, die in anderen Krankenhäusern mangels Möglichkeiten abgewiesen wurden, ins SC Krankenhaus kommen.

Thomas berichtet von einem älteren Mann, dessen Familie wusste, dass er sterben würde und ihn nach SC brachte. Der behandelnde Arzt wollte den Patienten ins Unikrankenhaus in die Intensivmedizin verlegen, doch die Familie weigerte sich und durfte ihn im SC Hospital bis in den Tod begleiten. Dies ist kein Einzelfall im SC
Krankenhaus.

Uns beiden jungen Frauen, die wir in unseren Pfarreien zuhause auch wöchentlich mit dem Tod konfrontiert werden, gefällt dieser Gedanke gut. Auch wenn es sicherlich ein Pionierprojekt wäre, weil dies viel Überzeugungsarbeit bräuchte, dass Menschen auch zum Sterben und Abschiednehmen ins Krankenhaus kommen. Wir sind gespannt, was Sie und ihr zu diesem Thema denkt und würden uns über Rückmeldungen freuen. Thomas Brei gibt zu Bedenken, dass es ist für die Menschen hier halt auch ein finanzielles Problem
ist. Ein solcher Dienst müsste in Tansania meist kostenfrei sein, um von den Menschen angenommen zu werden. Auch das Personal müsste hiervon überzeugt werden, da es eine völlig neue Facette der Arbeit und des Sinns eines Krankenhauses impliziert.

Zum Abschluss möchten wir uns bedanken, dass ihr uns auch in den letzten beiden Jahren, die ja in Deutschland auch nicht einfach waren, so tatkräftig und auch finanziell unterstützt habt. Das Personal hier und besonders die tansanische Führungsriege im SC Hospital ist sich eurer tatkräftigen Mithilfe sehr bewusst und hat uns deshalb auch sofort und sehr gerne mit Informationen versorgt. Wir bitten weiterhin um euer Gebet, gute Gedanken und Ideen, Spenden und euren persönlichen Einsatz in welcher Form auch immer.

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass der Rundbrief nicht mit dem Foto von Dr. Thomas Brei beginnt. Wir haben bewusst darauf verzichtet, weil das Krankenhaus seit April 2021 in tansanischen Händen ist und er lieber im Hintergrund weiter mitarbeitet. Für alle, die gerne Patientenbilder sehen möchten, gibt es auf unserer Homepage eine kleine Präsentation, die Dr. Thomas Brei für seinen Kurzbesuch in Deutschland im Juli
2022 zusammengestellt hat.

Wenn ihr möchtet, dass wir mal wieder zu einem Vortrag in eurem Pfarrverband, beim Seniorennachmittag, in der Schule, Firma, Verein etc., kommen, meldet euch auf dem üblichen Weg bei Constanze 😊. Wir würden uns freuen, euch nach langer Pause wieder live zu sehen.
Kwa heri, Constanze & Tatjana

Wir brauchen eure Unterstützung für Soziales !

Um allen Kranken eine gute medizinische Versorgung zu bieten, brauchen wir eure Unterstützung. Die Gehälter für unsere Ärzte, Pfleger und die anderen Angestellten können mittlerweile aus dem laufenden Betrieb gedeckt werden. Allerdings bleibt wenig Geld für eine kostenlose Behandlung der Patienten übrig.

Wenn ihr uns also helft, den Sozialfonds so voll wie möglich zu machen, dann können wir vielen ärmeren Patienten helfen und sogar eine längerfristige Behandlung ermöglichen.

Bitte geben Sie bei der Überweisung Ihre Spender-Adresse an, sodass wir einen Dank und/oder eine Spenden-Quittung für Sie erstellen können.

Spendenkonto

Missio München
Spendenkonto
LIGA Bank München
IBAN: DE96 7509 0300 0800 0800 04
BIC: GENODEF1M05
Projektnummer: 53137-1048
Projekttitel: Weiterleitung von Spenden / Sozialfonds Pfr. Brei

Danke
für euer anhaltendes und reges Interesse an der Arbeit und dem
Leben von Missionsarzt Thomas Brei
und dem SC Krankenhaus,


Danke
für all die finanzielle und materielle Unterstützung


Danke
für die vielen kreativen Ideen, das Wissen, das ihr nach Tansania
bringt und all die Gebete, guten Wünsche und Gedanken

Dr. med. Thomas Brei
Missionary Doctor

SC Clinic Foundation
P.O. Box 75
Mwanza
TANZANIA