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Osterrundbrief 2021

Apr 8, 2021 | Allgemein, Rundbrief

„Er ist auferstanden; er ist nicht hier.
Er geht euch voraus nach Galiläa,“ sagte ein junger Mann im weißen Gewand vor zweitausend Jahren zu den Frauen, die zum geöffneten Grab Jesu kamen und den Gekreuzigten salben wollten. Die Worte des Evangelisten Markus hörten am Ostersonntag Christen in aller Welt, die trotz der Corona-Beschränkungen zusammenkommen durften, um ihren Glauben zu feiern.
„Er ist nicht hier.“, zitierte Markus Moderegger, der Reichenhaller Stadtpfarrer, mein „deutscher“ Chef in
seinen Osterpredigten. „Er ist nicht hier, in diesem Gebäude. Wir werden Jesus nicht im Kirchenbau
finden. Christsein heißt: Geht hinaus in den Alltag, ins Leben. Dort werdet ihr in der Begegnung mit
anderen Menschen, besonders mit den Armen und Ausgestoßenen, den Leidenden und Kranken, den
Zweifelnden und Suchenden Jesus, den Auferstandenen finden.“

Liebe Freunde und Bekannte, Unterstützer und Interessierte,

die österliche Botschaft eröffnet den Blick in die Welt, hinaus zu den Menschen, die Hoffnung und Perspektiven, Hilfe und Freude suchen.
Ob Christ oder Muslim, nicht gläubig oder Hindu, im St. Clare Hospital in Mwanza werden mittlerweile täglich 150 bis 200 Patienten zu günstigen Preisen behandelt, weil sich unser Missionar Pfarrer Dr. Thomas Brei, als junger Mann entschieden hat, der Osterbotschaft nicht nur als Priester, sondern auch als Arzt zu folgen, und so die Auslegung des Osterevangeliums, wie sie mein „deutscher“ Chef, (Thomas ist der „tansanische“ g), unseren Mitchristen dieses Jahr an Ostern mitgeben wollte, zu verwirklichen.
Viele von euch und Ihnen haben in den letzten Jahren mit Staunen festgestellt, dass Thomaswohl noch weitere Berufe innehat: Bauherr, Projektmanager, Fundraiser – die Liste ist lang -.Doch in der Mitte des Lebens – Thomas wird im August 50  (das darf ich zwar nicht erwähnen), aber ich denke, es ist eine gute Möglichkeit, um auch symbolisch Bilanz zu ziehen– hat es Thomas geschafft, die Verantwortung für St. Clare mit seinen afrikanischen Mitarbeitern zu teilen und gleichzeitig wieder selbst seiner Berufung als Mediziner nachzukommen.

Nachdem ich zum zweiten Mal die Osterwoche nicht in Tansania verbringen darf, haben Thomas und ich ein bisschen improvisiert und zum ersten Mal ein Skype-Interview abgehalten, damit ich euch über das Leben in Tansania, den Fortschritt des St. Clare Krankenhauses in medizinischer und struktureller Hinsicht, unsere neuen Projekte und Thomas‘ Visionen berichten kann. Die Fotos stammen von Katrin Döring, einer jungen Ärztin, die gerade länger in St. Clare mitgeholfen hat; ihr seht, wir waren nicht nur schon immer digital-spontan, sondern wir sind noch globaler geworden g und wagen den ersten Versuch eines Rundbriefs aus der Ferne.

1. Politik und Corona in Tansania

Samia Hassan, die weibliche Präsidentin mit Pfiff, vertauschte Rollen und normaler Alltag

Während in Deutschland, ja Europa, ein Lockdown den nächsten jagt, jeder Bürger zum Impf-Un-Experten wird und wir uns Tag für Tag gegenseitig mit angstmachenden Botschaften und steigenden Infektionszahlen die Hoffnung nehmen und versuchen nicht in Perspektivlosigkeit zu versinken, geht das Leben in Tansania überwiegend seinen gewohnt holprigen Gang…
Ja, es gibt Corona in Tansania, wie Thomas neulich auch in einem Interview mit der Kirchenzeitung berichtete; allerdings in Maßen, ohne Panikmache und wie eine andere Krankheit, die dort behandelt wird. Viele Mitarbeiter in St. Clare haben schon Antikörper, in St. Clare wurde eine Isolierstation eingerichtet, auf der immer mal wieder Patienten bis zu 10 Tage liegen und es manchen auch schlecht geht. Es gibt jedoch momentan weder ein Massensterben noch den täglichen Nachrichten-Todes-Infektionszahlenticker wie wir ihn aus Deutschland kennen.
In Tansania gehen die Kinder wieder normal in die Schule, die Menschen verrichten ihre Arbeit, es gibt keinen Mundschutz wie im benachbarten Kenia, wo teilweise wieder Lockdowns herrschen, was unser guter Freund Daniel aus Nairobi berichtet. Ein bisschen Aufruhr hat es Mitte März gegeben, als der tansanische Präsident, John Pombe Magufuli, der im Oktober zum zweiten Mal gewählt wurde, mit 61 gestorben ist.

Die internationale Berichterstattung dazu war spannend, hat man doch anfangsgemunkelt, dass Magufuli eventuell selbst an Corona gestorben sein könnte, obwohl er im letzten Sommer Corona quasi „abgeschafft“ bzw. als besiegt erklärt hatte. Er ist jedoch an einem Herzversagen gestorben, das durch eine Vorerkrankung verursacht wurde.
Im Zusammenhang von Politik und Corona erzählt unser Missionar Dr. Thomas Brei:
„Wir hatten ja letztes Jahr auch einen Lock-Down, trugen Masken und die Kinder waren Monate lang nicht in der Schule. Ich glaube, das wirklich Positive ist, dass Magufuli keine Panikverbreitet hat, (was eine weise und kluge Handlungsweise für den Präsidenten eines afrikanischen Entwicklungslandes ist) – keine Angst vor Schreckens-Szenarien und Worst-Cases, wie sie in den europäischen Medien oft auch propagiert werden.

Wenn die Pandemie tatsächlich zu einem Massensterben in Tansania und Ostafrika geworden wäre, dann hätten wir auch nichts machen können – es gab keine Wahl, denn es fehlen sowohl die Mittel zur Prävention als auch zur Behandlung. Wir machen auch Social-Distancing, haben das Händeschütteln weitgehend verlassen und überall kann man sich die Hände waschen und wird dazu angehalten. Aber dieses “Panik-” und “Angst-“Element ist nicht da in Tansania, oder nur ganz gering ausgeprägt: Es gibt eine potentiell tödliche Erkrankung mehr im Spektrum der Erreger; aber die Exposition gegenüber dem Erreger durch den engen sozialen Kontakt, die Antikörper-Bildung und die partielle Immunität, die daraus resultiert, haben hier wohl dazu geführt, dass die Bevölkerung ohne Impfung einen hohen Grad an Immunität entwickelt hat -immer im Auge behaltend, dass wir ein durchschnittliches Alter der Bevölkerung von 18 Jahren in Tansania und von 45 Jahren in Deutschland haben!“

Bisher wirkt es so, als wäre der Tod des Präsidenten, der in seiner ersten Wahlperiode innovativ und aktiv gegen Korruption vorangegangen war, sein Land vorwärtsbringen wollte und verschiedene Projekte in Angriff genommen hatte, jetzt wohl eher ein Glück für Tansania, wenn man das über den Tod eines Menschen sagen darf. Denn schon am Ende seiner ersten Amtszeit entpuppte sich Magufuli machtgieriger und korrupter als manzuvor dachte; Tansania umwehte ein Hauch von Diktatur und Zensur, dem nicht nur analoge und digitale Medien zum Opfer fielen, sondern auch einige ausländische Missionare und Entwicklungshelfer, die ausgewiesen wurden.
Durch den Tod des Präsidenten ist die tansanische Politik deutlich weiblicher geworden: Samira Hassan heißt die neue tansanische Präsidentin, die den Ball wieder ein bisschen flacher hält und Tansani in ruhige, aber fortschrittliche Fahrwasser lenken will: „Man sollte eine Kuh nicht zu Tode melken“ kam in einer ihrer Antrittsreden vor, die unser Missionar mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen hat.

2. Neuigkeiten aus St. Clare

Patienten, Personal und Projekte

Endlich geschafft . Seit Herbst steigen in St. Clare die Zahlen der Patienten, im Durchschnitt sind es 150 bis 200 jeden Tag, die Betten sind gut gefüllt, es wird fleißig operiert, auf die Welt gebracht und untersucht. Das Personal umfasst mittlerweile knapp90 Leute, vom Facharzt zur Reinigungsfrau, dem Apotheker bis zum Hausmeister, vielen Pflegekräften und Handwerkern. Alles, was das derzeit wohlbeliebteste Krankenhaus in Mwanza halt so braucht ; da schwang auch ein bisschen Stolz in der Stimme von Thomas Brei mit, nachdem die letzten Jahre von vielen Unwägbarkeiten und Durststrecken, der bangen Frage, ob das Projekt St. Clare doch irgendwann zum Scheitern verurteilt ist, weil Gelder fehlen, es an Personal mangelt oder irgendwas mal wieder gar nicht funktioniert, sei es technisch oder politisch…
Doch gerade sieht es wirklich gut aus, was vor allem mehreren Umstrukturierungen und dem langem Atem von Thomas und seinem Stammpersonal zu verdanken ist.

a) Keine Deals oder Patienten mit der NHIF (tansanische Krankenversicherung) mehr!
Ja, es gibt in Tansania mittlerweile eine Krankenversicherung, auch für Bürger, die nicht viel verdienen. 6% vom Einkommen werden dafür verlangt und eine Familie kann mitversichert werden. Das klingt alles ganz schön und gut und sehr nachfunktionierendem Sozialsystem, aber…(natürlich gibt es ein aber g): Für die Patienten, die gesetzlich krankversichert sind, hat das St. Clare Krankenhaus im letzten Jahr nicht mal ein Drittel der angegeben Kosten wiedergesehen. Thomas hat sogar extra einen eigenen Arzt beauftragen müssen, der die Berichte und Rechnungen für die gesetzliche Krankenversicherung auf ihre Stimmigkeit und Nachvollziehbarkeit prüft und trotzdem nur Minus gemacht. Man munkelt, dass etliche Gelder der Krankenversicherung auch für den Wahlkampf im letzten Herbst ausgegeben wurden…

…deshalb hat sich das Management-Team um Thomas entschieden, nur noch Selbstzahler zu behandeln. Die sehr moderaten Preise (ein Urintest kostet z.B. 50ct) können sich auch viele ärmere Menschen leisten und dafür ist es möglich, viele von ihnen zu behandeln. Die Idee folgt der katholischen Soziallehre, die vor allem das Prinzip der Subsidiarität umfasst, sprich: „jeder gibt, soviel er kann“, aber was nichts kostet, ist auch nichts wert.
Die steigenden Patientenzahlen, die Vielzahl der fachärztlichen Sprechstunden (jeden Tag sind zwei andere Spezialisten vor Ort) und die Motivation des Personals sprechen für dieses Konzept.

b) Von der Einmannshow zur teamorientierten NGO
Die strukturellen Probleme, mit denen wir bzw. vor allem Thomas allein in den letzten Jahren oft gekämpft haben, die beim Aufbau eines ordentlichen Krankenhauses aufgrund der in Tansaniahochgeschätzten Bürokratie zwar mühsam, aber notwendig sind, stehen nie so im Vordergrund wie die Patienten, der Bau oder die Verwendung der Spenden.
Sie sind jedoch so zentral, dass wir euch und Ihnen eine neue Entwicklung nicht vorenthalten wollen: Seit 1. April ist das St. Clare Krankenhaus nicht mehr Thomas‘ Einmannshow, sondern die Verantwortung für den laufenden Krankenhausbetrieb liegt in den Händen der St. Clare Foundation, einer von sechs tansanischen Gründungsmitgliedern und von Thomas ins Leben gerufenen NGO. Der finanzielle Träger ist schon länger ein in Tansania ordentlich eingetragener Trust, “The Registered Trustees of St. Clare Clinic Foundation”. Dadurch wird der Grundidee moderner Entwicklungshilfe bzw. Entwicklungszusammenarbeit mehr Rechnung getragen, so dass auch die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen gut geregelt sind und St. Clare irgendwann auch ohne Thomas weiterleben kann …

3. …und Thomas?

Noch 4 Monate zur goldenen Mitte des Lebens

……zieht sich ab dem 20. August zurück und bestreitet die nächsten 50 Jahre auf Sansibar ggg. Nein, im Gegenteil. Nachdem unser Missionar vielen von euch und Ihnen immer wieder Sorgen in den letzten Jahren gemacht hat, weil er zu viel arbeitet – ja tut er , aber das ist ganz normalbei Workaholics g – und er so viel um die Ohren hat und seinen Berufungen gar nicht richtignachkommen kann, ist es auch an der Zeit zu berichten, wie Thomas’ sich entwickelt hat.
Thomas hat einen neuen „Job“ in St. Clare: Er ist die „graue Eminenz“, hat er mir grinsend perSkype – und wir haben uns nicht gesehen wegen der schlechten Verbindung – erklärt. Damit meint er, dass es einerseits total guttut, Verantwortung delegiert, Aufgaben besser verteilt und manches ganz abgegeben zu haben und trotzdem im Hintergrund die Möglichkeit zu haben, die Weiterentwicklung von St. Clare zu prägen, Projekte voranzutreiben und vor allem die medizinische und finanzielle Verbindung zu Deutschland zu unterhalten.
Gleichzeitig genießt Thomas wieder ein bisschen mehr Doktor Thomas zu sein und tatsächlich als Urologe tätig zu sein; ich erspare euch und Ihnen seine begeisterten Erklärungen über das Innenleben des menschlichen Unterleibs.

Gleichzeitig ist Thomas schon im ganzen letzten Jahr wieder der geistliche Begleiter für das Klarissenkloster, auf deren Gelände das St. Clare Krankenhaus entstanden ist. Zusammen mit den Schwestern vor Ort feiert er regelmäßig Gottesdienst, begleitet die Oberin im geistlichen Austauschund pflegt selbst ein bestärkendes Gebets- und Glaubensleben.
Ja, man könnte sagen, Dr. Thomas Brei ist nach gut 10 Jahren seines Wirkens in Tansania endlich da angekommen, warum er schon als junger Mann sowohl als Arzt als auch als Priester in die Mission wollte: Um draußen in der Welt, besonders bei den Armen und Kranken, dem Auferstanden zu begegnen.

4. Angst vor dem Spendeneinbruch

Hakuna matata, eure Treue, unser Dank

Groß waren unsere Sorgen angesichts der Corona-Pandemie, ob wir denn weiterhin auf so viele Spendengelder aus Deutschland und Österreich, ja Europa, hoffen dürfen wie bisher. Oder ob der Blick und die Sorgen der Menschen in der westlichen Welt bewirken, dass der Blick nicht mehr auf den ärmsten hinübergeht.

Deshalb an dieser Stelle ein ganz GROßES ASANTE SANA, DANKE und VERGELT’S GOTT an euch und Sie alle. Es ist phänomenal,

  • wie gut gefüllt auch in diesem Jahr das Spendenkonto in Velden ist,
  • wie viele von euch und Ihnen durch das Paten-Personal-Programm oder so das Sozialfonds-Konto von missio auffüllen,
  • dass nach wie vor so großes Interesse, Nachfrage, Gebet und Anteilnahme für Thomas, seine Mitarbeitenden und die ihm Anvertrauten bestehen,
  • dass euer Blick trotz eigener Sorgen auch immer am Viktoriasee und in Tansania ist,
  • dass Dr. Thomas Kühn mit so viel Helfern und Spenden zwei riesige Container nach Tansania schicken konnte, die gerade ankommen,
  • dass die Sternsinger auf kreativen und neuen Wegen Gelder gesammelt haben,
  • dass euch und Ihnen auch im letzten Jahr so viele Ideen und Projekte eingefallen sind, um Thomas und das St. Clare Krankenhaus zu unterstützen,
  • dass dank eurer und Ihrer Großzügigkeit und Anteilnahme, aktiven oder passiven Mithilfe wirklich ein Krankenhaus für die Ärmsten und Armen mit guter medizinischer Versorgung am Viktoriasee entstehen konnte.

Wir hoffen, der Rundbrief hat eure Neugier ein bisschen befriedigt, euch die Wertschätzung gegeben, die wir euch zeigen wollten und euch ein bisschen eintauchen lassen in eine andere Welt – Fortsetzung folgt im Sommer, dann wieder live aus Tansania.

Spenden Sie!

Helfen Sie mit, in Tansania eine gute und faire medizinische Versorgung zu ermöglichen, indem sie den Aufbau unseres St. Clare Hospital in Mwanza unterstützen. Bitte geben Sie bei der Überweisung Ihre Spender-Adresse an, so dass wir einen Dank und/oder eine Spenden-Quittung für Sie erstellen können.

Bei einer Spende bis 200€ gilt der Kontoauszug als Spendenquittung und wir ersparen den Mitarbeitern von Missio und den hilfsbereiten Damen in Velden viel Arbeit.

Spendenkonto:

Missio München

LIGA Bank München
IBAN: DE96 7509 0300 0800 0800 04
BIC: GENODEF1M05
Projektnummer: 53137-1048
Projekttitel: Weiterleitung von Spenden /
Sozialfonds Pfr. Brei

Spendenkonto:

Velden

Kath. Kirchenstiftung Velden
LIGA Bank München
IBAN: DE19 7509 0300 0102 3499 14
BIC: GENODEF1M05
Stichwort: St. Clare Hospital / Tansania



Dr. med. Thomas Brei
Missionary Doctor

St. Clare Clinic Foundation
P.O. Box 75
Mwanza
TANZANIA