Sozial-ökonomische Finanzierung von Gesundheitsdienstleistungen in Tansania am Beispiel des St. Clare Hospitals

Feb 21, 2022 | Allgemein

Vorwort


Liebe Leserin, lieber Leser,
In meiner Seminararbeit werde ich, wie meine selbst gewählte Themenstellung bereits vermuten lässt, versuchen über die Problematik der Finanzierung und Gewährleistung einer funktionierenden Gesundheitsversorgung in Tansania, zu informieren. Da dieses Thema eine hohe Komplexität aufweist und mit vielen Entwicklungen und der aktuellen Lage im Land verknüpft ist, beleuchtet der erste Teil der Arbeit einige der Probleme und Zustände im Land, die eine für jeden zugängliche Gesundheitsversorgung verkomplizieren. Dabei werde ich jedoch nicht alle erschwerenden Faktoren erläutern können, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Im zweiten Teil meiner Ausführungen komme ich auf die Themenstellung zu sprechen, indem ich die aufgezeigten Probleme anhand des Projektes von Dr. Thomas Brei, der St. Clare-Klinik in Mwanza, darstelle.
Um einen besseren Lesefluss sicherzustellen, werde ich bewusst auf gegenderte Formulierungen verzichten. Jedoch sind generell, wenn ich die maskuline Form eines Substantives verwende, beide Geschlechter gemeint, mit Ausnahme der Formulierungen, wo ich mich eindeutig auf ein Geschlecht beziehe.

Inhalt

  1. Einleitung
  2. Blick auf die sozial-ökonomische Lage in Tansania
    2.1 Erklärung des Begriffs „sozialökonomisch“
    2.2 Lage in Tansania

  3. Gesundheitsversorgung in Tansania
    3.1 Zugang zu Gesundheitsversorgung
    3.1.1 Versicherungswesen in Tansania
    3.1.2 Krankenhausmangel in Tansania?
    3.1.3 Disparitäten zwischen Stadt und Land
    3.1.4 Armut als Problem
    3.2 Finanzierungsprobleme der Gesundheitsversorgung
    3.2.1 Spaltung zwischen Arm und Reich mit Blick auf Korruption
    3.2.2 Finanzierungslücke im Gesundheitswesen

  4. Blick auf das Projekt in Mwanza
    4.1 Erklärung des Projekts in Mwanza
    4.1.1 Die Arbeit von Thomas Brei
    4.1.2 Notwendigkeit des Projekts
    4.2 Spendenaktionen und Projekte
    4.2.1 Organisation der Aktionen
    4.2.2 Wasserburg als konkretes Beispiel
    4.2.3 Patenschaftsprojekt
    4.2.4 Sozialfonds und Spendenprojekte
    4.3 Hindernisse in der Umsetzung und Genehmigungen

  5. Schluss
  6. Bilder

1. Einleitung


Als meine Stufe die Liste an zur Wahl stehenden Seminaren ausgehändigt bekam und ich sah, dass darunter eines mit dem Themenbereich Afrika war, hoffte ich, einer der wenigen Schüler zu sein, denen die erste Wahl zugesprochen wird. Die Freude war groß, als ich sah, dass tatsächlich unter den Schülern des Seminars Afrika zu sein, da ich mehr Einblick in das Leben im vergleichsweise gering entwickelten Kontinent erhalten wollte.
Da Tansania bis 1918 deutsche Kolonie war, bemühen sich bis heute immer noch einige deutsche Organisationen, zur Weiterentwicklung des Landes beizutragen. So auch Dr. Thomas Brei, der als Missionar der Erzdiözese München und Freising ein Krankenhaus in Mwanza aufgebaut hat, dort als Arzt und Seelsorger tätig ist und diese Klinik nun seit einigen Jahren leitet. Das Projekt von Dr. Thomas Brei war mir aus familiären und regionalen Gründen bereits bekannt, weshalb für mich außer Frage stand, dass ich mein konkretes Thema in Zusammenhang mit diesem Projekt wählen werde. Einblick in die Thematik hatte ich durch meine Familie, da mein Cousin vor einigen Jahren beim Aufbau der St. Clare-Klinik ein Jahr vor Ort in Mwanza tätig war und mir bereits einige Eindrücke des Landes und des Krankenhauses geschildert hatte. Sein Vater bzw. mein Onkel organisiert zudem immer wieder Spendenaktionen und Hilfsprojekte im Umkreis von Wasserburg, wie beispielsweise den Ausbau der Geräte aus einer leerstehenden Zahnarztpraxis und den Umbau dieser in einen Container, um die Gerätschaften zur
Klinik in Mwanza zu transferieren. Außerdem stammt Dr. Thomas Brei aus Wasserburg am Inn, besuchte dort das Luitpold-Gymnasium und hat dort einen großen Unterstützerkreis, bei dem auch unsere Schule immer wieder mit Spendenaktionen eine Rolle spielt.
Durch meine Seminararbeit möchte ich meinen Teil zum weiteren Gelingen dieses Unterfangens beitragen, indem ich über die Probleme und Notwendigkeit der Spenden bei der Finanzierung des Projektes informiere und auf die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Komplexität des Themas „Gesundheitshilfe in einem ‚Entwicklungsland‘“ lenke. Zudem denke ich, dass eine tiefer gehende Arbeit besonders an der Schule, aber auch in deren Umfeld, die Spendenbereitschaft vergrößern und Dr. Brei dadurch zumindest einen geringfügig vergrößerten finanziellen Spielraum generieren könnte. Gerade in der derzeitigen Situation ist es wichtig, dass die Spenden zumindest den nötigsten Teil der Ausgaben decken, um ein Gelingen des Vorhabens auch in Zukunft sicherstellen zu können. Dazu möchte ich mit der folgenden Seminararbeit beitragen.

2. Blick auf die sozial-ökonomische Lage in Tansania

2.1 Erklärung des Begriffs „sozialökonomisch“

Die Sozialökonomie beschreibt im Wesentlichen das Wechselspiel von Gesellschaft und Wirtschaft. Dabei soll die Situation nicht ausschließlich nach gewinnorientierten Aspekten betrachtet werden, sondern eine für den Markt und die Gesellschaft gleichermaßen möglichst geeignete Lösung in den Blick genommen werden. Um dies zu erreichen, wird der Einfluss der Handlungen und Vorgänge in der Gesellschaft auf die Wirtschaft untersucht. Diese erworbenen Erkenntnisse können wiederum verwendet werden, um die vorherrschenden wirtschaftlichen Zustände zu erklären. Sollten diese nicht den Vorstellungen der Politik entsprechen, kann durch gezielte Maßnahmen des Staates wieder ein Ausgleich zwischen Wirtschaft und Gesellschaft hergestellt werden. 1

2.2 Lage in Tansania

In Tansania beeinflusst besonders die große Armut im Land, auf welche ich später noch eingehen werde, die sozialökonomische Lage. Dabei leistet die Landwirtschaft einen Anteil von 46% am Bruttoinlandprodukt, welches in Tansania im Jahr 2020 pro Kopf 1090 US-Dollar betrug. Als Vergleichswert hierzu dient Deutschland, wo das BIP im Jahr 2020 bei 40116 US-Dollar pro Kopf lag, 2 d.h. ca. den 40-fachen Betrag von
Tansania. Etwa 75% der Beschäftigten sind dort im landwirtschaftlichen Bereich tätig.3 Da 75% der arbeitenden Bevölkerung nur knapp die Hälfte des BIPs erwirtschaften, lässt sich vermuten, dass die Arbeit in der landwirtschaftlichen Branche unterdurchschnittlich vergütet wird, zumal in den meisten Fällen Subsistenzwirtschaft betrieben und dadurch kein Kapital erwirtschaftet, sondern lediglich das eigene Auskommen gesichert wird. Trotz einer Alphabetisierungsrate von 77,9% der über 15-jährigen ist die Bildung der Tansanier Mängel auf, da diese nur aussagt, welcher Teil der Bürger einen einfachen und kurzen Text lesen und schreiben kann sowie dazu fähig ist, einfache Rechnungen durchzuführen.4 Zugang zu weiterführender Bildung hat nur der Teil der Bevölkerung, welcher die hohen Kosten einer Privatschule finanziell stemmen
kann. Durch die hohe Beschäftigungsrate in der Landwirtschaft und die geringen Löhne ist dies für nahezu alle Kinder unmöglich. Wegen der daraus resultierenden geringen schulischen Fertigkeiten für andere Beschäftigungsbranchen orientieren sich diese zwangsläufig wiederum hin zur Landwirtschaft. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, aus dem es fast unmöglich ist auszubrechen und sich ein gesichertes Auskommen zu erwirtschaften. Der Regierung fehlen die finanziellen Mittel die mangelhafte Bildungspolitik zu verbessern, zumal die Durchführung verbessernder Maßnahmen vermutlich an der Koordination von staatlicher Seite scheitern würde. Jedoch wurde seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten John Magufuli im Jahr 2015
politisch gegen die im Land weit verbreitete Korruption und Steuerhinterziehung vorgegangen. Er setzte sich als Ziel, ein funktionierendes Steuersystem aufzubauen und staatliche Institutionen, sowie den Ausbau der Infrastruktur zu fördern und so die sozialökonomische Lage im Land zu verbessern.5 Jedoch konnten seine Pläne nur teilweise umgesetzt werden, da er im März 2021 an den Folgen einer CoronaErkrankung verstarb. Seitdem regiert zum ersten Mal eine Präsidentin, Samia Suluhu Hassan, das Land. Sie leitete eine politische Kehrtwende ein, die einige Fragen zur Finanzierung der zuvor entstandenen Institutionen wie staatliche Krankenhäuser und deren Personal offenlässt.6 Inwiefern sich die finanzielle Lage des Landes und das neu eingeführte und noch nicht wirklich funktionierende Steuersystem dadurch verändern wird, bleibt abzuwarten.

1Vgl. Prof. Dr. Maurer, A.: Sozioökonomie (2018), online unter URL:
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/soziooekonomie-53796 [31.10.21]
2Vgl. Rudnicka, J.: Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner in Deutschland von 1970 bis 2020 (2021),
online unter URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/14433/umfrage/bruttoinlandsprodukt-bipin-deutschland-pro-kopf-seit-1970/ [9.10.21]
3Vgl. o.V.: Wirtschaft in Tansania, online unter URL: https://tansania.de/land-leute/wirtschaft/ [9.10.21]
4 Vgl. o.V.: Vereinigte Republik Tansania – Alphabetisierungsrate, Erwachsene (15+), online unter URL:
https://knoema.de/atlas/Vereinigte-Republik- Tansania/ Topics/Bildung/Alphabetisierung/ Alphabetisierungsrate-Erwachsene [9.10.21]
5 Vgl. o.V.: Politik in Tansania, online unter URL: https://tansania.de/land-leute/politik/ [10.10.21]
6 Gespräch mit Monsignore W. Huber am 10.10.21 / Dr. Brei, T.: Sommerrundbrief 2021 (2021), online
unter URL: https://www.stclare-foundation.com/de/2021/09/29/sommerrundbrief-2021-2/ [06.11.21]

3. Gesundheitsversorgung in Tansania

3.1 Zugang zu Gesundheitsversorgung

3.1.1 Versicherungswesen in Tansania

Das Versicherungswesen in Tansania ist nicht vergleichbar mit dem uns gewohnten in Deutschland. Obwohl unter anderem durch Finanzhilfen und Bemühungen der Regierung immer mehr Versicherungsmöglichkeiten angeboten werden, ist das Versicherungssystem immer noch als defizitär zu bezeichnen. Allerdings ist der Bedarf an Versicherungen in Tansania nicht analog mit dem Bedarf hierzulande. Während in Deutschland durch die alternde Bevölkerung die Rentenversicherung Priorität besitzt, wird diese in Tansania aufgrund des Durchschnittsalters der Bürger von nur 18 Jahren und dem damit verbundenen vergleichsweise geringen Anteil an alten Menschen in der Bevölkerung kaum in Anspruch genommen. Jedoch wird, bedingt durch viele Seuchen und Krankheiten in Afrika und der Armut der Bevölkerung, dringend eine flächendeckende Krankenversicherung benötigt, die jedoch nur 31% der tansanischen Bevölkerung vorweisen können.7 Vom Ziel der Regierung, die gesamte Bevölkerung verpflichtend staatlich zu versichern, ist man mit dieser Quote weit entfernt. „Tansania [müsste] laut WHO jährlich € 35 pro Person, also etwa € 1,8 Mrd.
aufbringen“8 , um eine flächendeckende Basisversicherung zu garantieren, was durch das nur unzulänglich funktionierende Steuersystem des Staates nicht aufgebracht werden kann. Positiv bleibt jedoch anzumerken, dass von einigen Organisationen inzwischen Hilfsprojekte im Versicherungswesen angeboten werden. Als Beispiel hierfür lässt sich die KFW-Entwicklungsbank anführen, welche eine Versicherung für schwangere Frauen anbietet, um die Geburten sicherer zu machen und die Kindersterblichkeit sowie Sterbequote von Müttern kurz nach der Geburt zu reduzieren. Dazu werden, ohne Zuzahlung von Beiträgen durch die Versicherten, Hygieneartikel zur Verfügung gestellt. Das Projekt der KFW-Entwicklungsbank macht zudem wiederum deutlich, „dass es einen großen Bedarf für Krankenversicherungen gibt und dass sich über eine leistungsbasierte Finanzierung die Qualität und Quantität der medizinischen Leistungen steigern lässt‘“9 . Das Krankenversicherungsnetz auszubauen und so die medizinischen Leistungen für jeden zugänglich zu machen, stellt sich der Regierung sowie den Hilfsorganisationen als große Herausforderung dar, die es in naher Zukunft zu lösen gilt.

7 Vgl. o.V.: Thema Gesundheitswesen I: Überblick: Fortschritte und Probleme (2018), online unter URL:
https://www.tansania-information.de/index.php?title=Thema:Gesundheitswesen_I:%C3%9Cberblick:_
Fortschritte_und_Probleme_-_06/2018 (15.10.21)
8 o.V.: Thema Gesundheitswesen I: Überblick: Fortschritte und Probleme (2018), online unter URL:
https://www.tansaniainformation.de/index.php?title=Thema:Gesundheitswesen_I:%C3%9Cberblick:Fortschritte_und_Prob leme-_06/2018 [15.10.21]
9 o.V.: Geburten in Tansania werden sicherer, online unter URL: https://www.kfw-entwicklungsbank.de/
s/dezFI1f.BYUA [17.10.21]

3.1.2 Krankenhausmangel in Tansania?

In Tansania mangelt es nicht an gesundheitlichen Einrichtungen. Das Gesundheitswesen umfasst mehrere Stufen staatlicher Institutionen: in nahezu jedem Dorf gibt es eine kleine Gesundheitsstation, Dispensary genannt, sowie im Verbund mehrerer benachbarter Dörfer ein Health Centre. Dazu kommen in jedem Distrikt des Landes ein Distrikts-Krankenhaus bzw. Hospital und ein Regionalkrankenhaus bzw. Regional Referral Hospital für jede Landesregion. Darüber hinaus sind wiederum immer einige Regionen zu einer Zone zusammengefasst, welche jeweils über ein Zonenkrankenhaus bzw. Zonal Referral Hospital verfügen. Abschließend bleiben die beiden Nationalkrankenhäuser, das Muhumbili National Hospital in Dar es Salaam und das Benjamin-Mpaka-Hospital in Dodoma, zu nennen. Dazu kommen viele private Institutionen, die durch Missionen, nicht-staatliche Organisationen oder Privatpersonen geleitet werden. So gibt es in der Stadt Mwanza am Viktoriasee, die ca. 1 Mio. Einwohner zählt und dessen Einzugsgebiet, der umliegende Lake District, das ca. 15-20 Mio. Einwohner umfasst, 56 privat geführte Einrichtungen zusätzlich zu den staatlichen.
„Ich würde sagen, an der Verteilung hapert es nicht mehr, es gibt überall mehr als genug Gebäude und Einrichtungen […]“10, so Dr. Brei. Dennoch gibt es Probleme mit dem Gesundheitswesen: In nahezu allen Krankenhäusern mangelt es an Ausstattung mit qualifiziertem und motiviertem Personal sowie an Geräten, Verbrauchsmaterial und Medikamenten, weshalb die Versorgung mit Ausnahme weniger Einrichtungen weit
hinter dem internationalen Standard zurückbleibt. Viele dieser Sanatorien bestehen nur aus einem Gebäude, welches mit Betten ausgestattet ist. Selbst größere Krankenhäuser besitzen teils kein Ultraschall- oder Röntgengerät und sind somit in der Diagnostik und Behandlung der Patienten sehr eingeschränkt. 11
Die vielen Leitlinien des tansanischen Gesundheitsministeriums für Gesundheitseinrichtungen sind auf die meisten Krankenhäuser nicht anwendbar, da diese nicht über die nötige Ausstattung verfügen, sodass sich festhalten lässt: trotz der zahlreichen Einrichtungen zur gesundheitlichen Versorgung „[…] sieht der Zustand des Gesundheitswesens in Tansania mehr als ernüchternd aus.“12

10 Emaildialog mit Dr. T. Brei vom 25.10.21
11 Vgl. Emaildialog mit Dr. T. Brei vom 25.10.21
12 Emaildialog mit Dr. T. Brei vom 25.10.21

3.1.3 Disparitäten zwischen Stadt und Land

Besonders im Gesundheitswesen fallen deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land auf. In Krankenhäusern im ländlichen Raum treffen die im vorhergehenden Gliederungspunkt erwähnten Probleme der Unterversorgung mit Fachpersonal und Verbrauchsmaterial noch stärker zu als Einrichtungen im urbanen Umfeld. Das ist zum einen darauf zurückzuführen, dass gerade in größeren Städten Patienten mit höherem Bildungsgrad eine Behandlung durch Fachärzte fordern, da sie sich dadurch eine bessere Therapie erhoffen. Zudem ist die Rate der Krankenversicherten ist im städtischen Bereich meist deutlich höher, da sich, aufgrund der mit wenigen Ausnahmen in den Städten angesiedelten Konzerne, dort überwiegend wohlhabendere Bevölkerungsschichten finden. Aufgrund der deutlich höheren Löhne sind die Versicherungsbeiträge für einen Stadtbewohner in den meisten Fällen finanzierbar, sodass die Kliniken in diesen Gebieten Aussicht auf Bezahlung der Behandlungskosten haben und dadurch finanziell sicherer als Krankenhäuser auf dem Land sind, wo die Kosten aus eigenen Mitteln der Patienten bezahlt werden müssen und oft nicht aufgebracht werden können. Im Übrigen findet sich im ländlichen Umfeld und in armen Stadtteilen häufig der Glaube an Heilung durch Hexerei oder Wunderheiler. Dies wiederum führt dazu, dass die Menschen sich erst durch diese üblichen spartanischen Methoden behandeln lassen und erst mit bereits fortgeschrittenem Krankheitsbild die medizinische Behandlung im Krankenhaus in Anspruch nehmen.

3.1.4 Armut als Problem

Besonders die weit verbreitete Armut in Tansania stellt das Gesundsystem vor Herausforderungen. Mit einer Armutsquote von ca. 33% findet sich Tansania unter den 20 ärmsten Ländern der Welt, wobei knapp 10% in extremer Armut leben müssen. Als extreme Armut ist u.a. eine tägliche Ernährung von unter 2000 Kilokalorien definiert.13 Der Hauptgrund für die Armut ist dabei das geringe Angebot an sicheren Arbeitsplätzen mit niedrigen Löhnen. Besonders Frauen sind davon betroffen. Deshalb versuchen viele tansanische Familien, ihren Lebensunterhalt durch möglichst viele Arbeitskräfte in der Familie zu sichern. Aus dieser Tatsache lässt sich das explosionsartige Bevölkerungswachstum von 492,9% zwischen 1960 und 2020 erklären,14 da die Eltern oft viele Kinder bekommen, um damit das eigene Auskommen im Alter und die Versorgung der Familie mit Nahrungsmitteln zu gewährleisten. So schaffen sie sich eine Art eigene Versicherung für den Notfall. Jedoch reicht das Geld der Familie oft nur für eine gute Schulausbildung des Erstgeborenen aus, was zur Folge hat, dass die jüngeren Kinder wiederum in Armut leben müssen und kaum eine Chance haben, aus dem Elend herauszukommen. Zudem finden besonders Jugendliche nur selten einen sicheren Arbeitsplatz; obwohl junge Menschen im Alter von 15-24 Jahren etwa 66% der arbeitsfähigen Bevölkerung ausmachen, sind davon nur 13,4% fest angestellt.15
Das immense Bevölkerungswachstum stellt den afrikanischen Staat zudem vor das Problem, die Menschen mit Nahrungsmitteln zu versorgen, da die Anbaumöglichkeiten durch Hitze und Variabilität des Wetters begrenzt sind. Eine unterernährte Population ist wiederum nicht leistungsfähig und sehr anfällig für die häufig auftretenden Krankheiten wie Malaria, Cholera oder die Schlafkrankheit.16 Eine angemessene
Gesundheitsversorgung und Behandlung dieser Krankheiten kann durch eine am Existenzminimum lebende Familie jedoch kaum finanziert werden, weshalb oft darauf verzichtet wird und eine Versorgung zuhause durch die Familie bevorzugt wird. Erst bei zunehmender Verschlechterung des Zustands des Patienten wird medizinscher Rat hinzugezogen. Dadurch gestaltet sich die Behandlung im Krankenhaus bei vielen Patienten kompliziert und teuer, da der Krankheitsverlauf oft schon weit fortgeschritten ist. Durch eine flächendeckende Krankenversicherung könnte dieser Entwicklung entgegengewirkt werden, da sich viele Patienten so möglicherweise schneller für eine Versorgung im Krankenhaus entscheiden würden.

13 Vgl. o.V.: Arm und Reich (2014), online unter URL: https://www.tansania-information.de/index.php?title=Arm_und_Reich_-01/2014 [18.10.21]
14 Vgl. o.V.: Bevölkerungswachstum in Tansania (2021), online unter URL: https://www.laenderdaten.info/Afrika/Tansania/bevoelkerungswachstum.php#:~:text=Bev%C3%B6lkerungswachstum%20in%20Tansania.%20In%20den%20Jahren%201960%20bis,Den%20geringsten%20Anstieg%20im%20Jahr%201998%20mit%202%2C34%25. [18.10.21]
15 Vgl. o.V.: Arm und Reich (2014), online unter URL: https://www.tansania-information.de/ index.php?title=Arm_und_Reich-_01/2014 [18.10.21]
16 Nemitz, R.: Tansania – Gesundheit und Krankheiten, online unter URL: http://www.transafrika.org/ pages/laenderinfo-afrika/tansania/gesundheit.php [18.10.21]

3.2 Finanzierungsprobleme der Gesundheitsversorgung

3.2.1 Spaltung zwischen Arm und Reich mit Blick auf Korruption

Die finanzielle Kluft zwischen Armen und Reichen ist in Tansania sowie in vielen Teilen Afrikas sehr stark ausgeprägt. Da das Land analog zu vielen anderen afrikanische Staaten reich an Bodenschätzen wie Gold oder Diamanten ist, konnten Inhaber von Bergbauunternehmen sehr wohlhabend werden, während Arbeiter in den Mienen sowie in der Landwirtschaft tätige Arbeitskräfte meist nur eine geringe Vergütung ihrer Arbeit
erhalten und deshalb in Armut leben. Die Bergbauunternehmer sind oftmals Investoren aus anderen Ländern, die, angelockt von den Bodenschätzen, Bergbaubetriebe und Unternehmen gegründet haben. Dadurch gibt es eine breite, arme Unterschicht und eine extrem kleine, reiche Oberschicht. Diese Spaltung führt zunehmend zu Unmut und Frustration in der Bevölkerung und fördert die Bereitschaft zu kriminellen Handlungen, um an Geld zu gelangen. Parallel ist insgesamt eine steigende Gewaltbereitschaft zu beobachten. Die Aufklärungsrate von Verbrechen ist sehr gering, sodass besonders Überfälle oft durchaus lohnend erscheinen und für die Täter mit minimalem Risiko verbunden sind. Eine weit verbreitete Form der Kriminalität ist die Korruption, die zumeist durch reiche Personen praktiziert wird. Damit vergrößert sich der Abstand zur Unterschicht noch weiter. „Das amerikanische Pew Reseach Centre fand in einer Umfrage heraus, dass 90% der Tansanier Korruption und Veruntreuung in Regierung und Verwaltung für selbstverständlich halten.“17 Diese Aussage verdeutlicht die
Problematik unmissverständlich und macht die Ausmaße auch in hohen politischen Ämtern deutlich. Zudem sind besonders staatliche Ordnungselemente wie die Polizei mit einer Korruptionsrate von 82% oder die Justiz besonders korrupt.18 Viele Bürger geben zudem an, Dienstleistungen durch staatliche Einrichtungen nur durch Zahlung von Bestechungsgeldern zeitnah erhalten zu haben. Festzuhalten bleibt, dass die Häufigkeit korrupter Handlungen parallel zur allgemeinen Kriminalitätsrate seit einigen Jahren deutlich ansteigt. Besonders auf die Gesundheitsversorgung hat die Korruption einen großen Einfluss, da vermögende Personen versuchen, durch Bestechung schneller an Behandlungstermine in den meist ausgelasteten Kliniken zu kommen. Dadurch entsteht wiederum eine Benachteiligung des Großteils der Bevölkerung, der entsprechende illegale Zahlungen nicht finanzieren kann und somit meist über den offiziellen Weg auf Behandlung hoffen und warten muss.

Gerade mit Blick auf die im vorangegangenen Gliederungspunkt „Armut als Problem“ beschriebene Problematik, dass gerade diese Bevölkerungsschicht erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium eine Klinik aufsucht, würden sie jedoch umso zeitnaher eine Behandlung benötigen

17 o.V.: Schwerpunktthema Kriminalität: Korruption (2015), online unter URL: https://www.tansaniainformation.de/index.php?title=Schwerpunktthema_Kriminalit%C3%A4t:Korruption-03/2015 [19.10.21]
18 o.V.: Schwerpunktthema Kriminalität: Korruption (2015), online unter URL: https://www.tansaniainformation.de/index.php?title=Schwerpunktthema_Kriminalit%C3%A4t:_Korruption-_03/2015 [19.10.21]


3.2.2 Finanzierungslücke im Gesundheitswesen

Wie in Abschnitt 2.1 ausgeführt, brachte in Tansania der neue Präsident Mafuguli nach seinem Amtsantritt im Jahr 2015 einige Reformen im Gesundheitssystem, wie den Aufbau eines funktionierenden Versicherungssystems oder den Ausbau der Krankenhauskapazitäten durch den Bau neuer Krankenhäuser, auf den Weg. Obwohl diese Schritte auf den ersten Blick positiv für die Entwicklung des Landes erschienen, stellen sich genau diese Projekte des inzwischen verstorbenen Präsidenten als Probleme dar. Denn zum einen konnte nichts Grundlegendes, die Situation des Versicherungswesens erheblich veränderndes, erreicht werden. Zum anderen stellte sich der Aufbau neuer staatlicher Krankenhäuser als finanziell wenig durchdacht und für den
wenig finanzkräftigen Staat als kaum bezahlbar dar. Besonders die Gehälter der angestellten Ärzte und Pfleger wurden bei der Planung der Projekte nicht berücksichtigt. Diese belasten nun die Staatskassen, in denen dafür keine Gelder zur Verfügung stehen. Dies wiederum führt dazu, dass die Gehälter teilweise nicht ausgezahlt werden, sodass der Staat im Gesundheitswesen kein attraktiver Arbeitgeber für die Bevölkerung ist.19 Um Krankenhäuser, Versicherungen und Behandlungen bezahlen zu können, muss deshalb immer noch in den meisten Fällen finanzielle Hilfen von außerhalb des Landes in Anspruch genommen werden. Organisationen, die diese Finanzierungen leisten, sind beispielsweise die KFW-Entwicklungsbank, die Spendenorganisation Missio oder das BMZ.20
Mithilfe dieser Organisationen bessern sich die Zustände im Land in den letzten Jahren jedoch nur minimal. Um eine flächendeckende Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, wie von der Politik angestrebt, werden diese Bemühungen von Institutionen aus entwickelten Ländern wie Deutschland jedoch nicht ausreichen. Dazu wird die Landesführung Eigeninitiative aufbringen und sich ausgiebig darum bemühen müssen, mithilfe konkreter Pläne und gezielter Reformen die vorherrschende Situation grundlegend zu ändern.

19 Vgl. o.V.: Zum Mindestlohn staatlicher Angestellter, Verhandlungen, Streikdrohung,
Streik am MNH (2019), online unter URL: https://www.tansaniainformation.de/index.php?title=Zum_Mindestlohn_staatlicher_Angestellter,_Verhandlungen,_Streikdrohu
ng,_Streik_am_MNH [06.11.2021]
20 Bundesministerium für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung

4. Blick auf das Projekt in Mwanza

4.1 Erklärung des Projekts in Mwanza

Dr. Thomas Brei hat in Mwanza, am Südufer des Viktoriasees, ein Krankenhaus aufgebaut, welches er als Klinikleiter führt. (Siehe Anhang, Abbildung 1) Dort versucht er, allen Bevölkerungsschichten, unabhängig vom Einkommen der Patienten eine gesundheitliche Versorgung anzubieten, d.h. das Krankenhaus sozialökonomisch zu leiten. Die Sozialökonomie besteht in diesem Fall darin, die Finanzierung des Krankenhauses durch die Erlöse aus der Behandlung von Patienten und vor allem durch Spenden zu sichern und gleichzeitig die Behandlungskosten auf einem auch für arme Menschen bezahlbaren Niveau zu halten. Um dies gewährleisten zu können, ist das Projekt von Sach- und Geldspenden vor allem aus der Heimat von Dr. Thomas Brei abhängig. Zudem erarbeitet die Klinikleitung ständig neue Ideen, die Finanzierung und die Weiterentwicklung des Krankenhauses zu ermöglichen.
Durch viele Sachspenden, vor allem aus Dr. Breis Heimat, ist die St. Clare-Klinik eines der am besten ausgestatteten Krankenhäuser in Mwanza bzw. der Lake Zone und besitzt damit gute Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten. (Siehe Anhang, Abbildung 2)

4.1.1 Die Arbeit von Thomas Brei

Dr. Thomas Brei, (Siehe Anhang, Abbildung 3) ursprünglich aus Wasserburg am Inn stammend, wurde im Jahr 2001 in München zum Priester geweiht. Einige Jahre später schloss er zudem sein Medizinstudium erfolgreich ab. Danach war er im niederbayerischen Velden an der Vils als Kaplan und Pfarrvikar tätig, bevor er im Jahr
2011 schließlich von der Erzdiözese München-Freising als Fidei-Donum-Priester und Missionsarzt ins ostafrikanische Tansania entsandt wurde, um dort als Arzt den Kranken zu helfen und als Seelsorger tätig zu sein. Nachdem er dort zwei Jahre als Arzt in einem großen Krankenhaus gearbeitet hatte und dabei seine ersten Erfahrungen mit der tansanischen Gesundheitsversorgung und Mentalität sammeln konnte, übernahm er die
Position der stellvertretenden Klinikleitung im Wasso-Hospital im Norden der Serengeti, bevor er, parallel zu seiner Anstellung, im Jahr 2014 begann, die St. Clare-Klinik nahe des Viktoriasees aufzubauen. Diese befindet sich auf dem Gelände des Klarissinnen-Ordens, welchem die Klinik auch ihren Namen verdankt. Als Bauleiter und Organisator des Projekts hat Dr. Brei viel Zeit und große Mühen in eine schnelle Umsetzung des Plans investiert und arbeitet stetig daran, die Klinik technisch immer besser auszurüsten. So versucht er stets, medizinische Geräte im Ausland, die z.B. ungenutzt in aufgegebenen Kliniken stehen, ausfindig zu machen und den Transfer der Geräte in sein Krankenhaus zu organisieren. Exemplarisch hierfür steht der Import
vieler medizinischer Gerätschaften wie auch eines CT-Gerätes, die von Kliniken und Krankenhäusern aus dem Raum Wasserburg/Rosenheim im Jahr 2015 gespendet worden waren. Nachdem diese Lieferung in Tansania per Containerschiff angekommen war, bedurfte es der Freigabe durch die Hafenbehörden, um den von Dr. Brei organisierten Weitertransport nach Mwanza in die Klinik durchzuführen. Allerdings galt es noch einige Probleme zu lösen, bevor z.B. das dringend benötigte CT-Gerät in Betrieb gehen konnte. Beispielsweise konnte in der Umgebung kein Fachpersonal zur Installation ausfindig gemacht werden, während für Spezialisten aus dem Ausland die Finanzierbarkeit bedacht werden musste. Auch die in der Klinik vorhandenen Räume stellten sich als nicht geeignet für ein derartiges Gerät heraus, weshalb schließlich auf dem Klinikgrundstück ein neues Gebäude dafür gebaut und finanziert werden musste. Eine sichere Stromversorgung, die für die uneingeschränkte Funktionstüchtigkeit des Gerätes unerlässlich ist, war im Krankenhaus außerdem nicht durchgehend sichergestellt. Aufgrund der im vorangegangenen Kapitel beschriebenen Spendenabhängigkeit erfolgte die Finanzierung des Projekts nur schleppend, weshalb es nach der Ankunft des CTs in der Klinik zwei
Jahre dauerte, bis Dr. Brei mit seinem Klinikteam alle Probleme – teils durch immer wieder neu aufgenommene Verhandlungen mit Fachfirmen, teils durch zusätzliche Spendenaufrufe und Berechnungen der voraussichtlichen Kosten oder manchmal einfach nur durch Nachdenken – gelöst hatte und das Gerät in Betrieb gehen konnte. Seit 2018 ist es möglich, die CT-Daten aufzuzeichnen und zu versenden. 21 (Siehe Anhang,
Abbildung 4)
Außerdem versucht Dr. Thomas Brei, so vielen jungen Menschen wie möglich durch eine Aufgabe in der Klinik eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen sowie eine Berufsausbildung zu ermöglichen. (Siehe Anhang, Abbildung 5)
Diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie vielschichtig und schwierig zu bewältigen die Aufgaben von Dr. Thomas Brei als Klinikleiter sind. Daraus resultieren seine langen Arbeitszeiten: er arbeitet jede Woche Montag bis Samstag jeweils mindestens acht Stunden, meist jedoch zehn bis zwölf Stunden täglich.

21 Vgl. o.V.: Die fast unendliche Geschichte eines CTs (2018), online unter URL: https://www.ovbonline.de/rosenheim/wasserburg/fast-unendliche-geschichte-eines-1

4.1.2 Notwendigkeit des Projekts

In den Gliederungspunkten 2.1 bis 2.2.2 bin ich auf Probleme in Tansania eingegangen, die die Finanzierung und Bereitstellung einer ausreichenden Gesundheitsversorgung im Land erschweren. Besonders den armen Menschen bezahlbaren Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen, hat sich Dr. Thomas Brei als Ziel seines Projektes gesetzt. Diese umfassen nicht ausschließlich grundlegende und einfache gesundheitliche Versorgungsmethoden, sondern besonders auch Diagnoseverfahren sowie Untersuchungen mit den höchsten zur Verfügung stehenden und – wie das CT-Gerät – gespendeten Gerätschaften aus Deutschland. Dadurch realisiert die Klinik Möglichkeiten der Untersuchung, die zuvor in den unterentwickelten Gebieten Tansanias undenkbar gewesen wären. Die grundsätzliche Idee des Projekts ist, die hochwertige Behandlung mittelloser Patienten durch höhere Kosten für Zusatzleistungen reicherer Klienten, wie Einzelzimmer, zu erwirtschaften und sich von jeglicher Korruption zu distanzieren.
Durch die eindeutige Ablehnung korrupter Vorgänge ist eine Gleichbehandlung der Patienten bei der Terminvergabe gewährleistet, wodurch alle Patienten rechtzeitig behandelt werden können. Damit nimmt die St. Clare-Klinik eine einzigartige Stellung in diesem Entwicklungsland ein.
Auch die Seelsorgetätigkeit von Dr. Brei wird in Tansania oft dankend angenommen. Durch die häufig auftretende Armut und die damit verbundenen Probleme sowie den hohen Anteil an gläubigen Christen ist die Anwesenheit eines Priesters im ländlichen Gebiet des Viktoriasees vielen Einheimischen durchaus willkommen.

4.2 Spendenaktionen und Projekte

4.2.1 Organisation der Aktionen

Das Projekt St. Clare-Klinik in Mwanza steht in enger Zusammenarbeit mit dem internationalen katholischen Hilfswerk Missio mit Sitz in München. Aus einem persönlichen Gespräch mit dem Präsidenten der Organisation, Monsignore Wolfgang Huber, geht die Komplexität des Themas Spenden und Finanzierung in Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft hervor. So besteht bei privaten Spendenaktionen für die Klinik beispielsweise das Problem, dass vor allem bei hohen Spendenbeträgen eine Spendenquittung gewünscht ist. Dies darf jedoch nur von Vereinen oder eingetragenen Non-Profit-Organisationen ausgestellt werden. Deshalb werden die meisten Aktionen über die anerkannte Organisation Missio abgewickelt. Zudem steht diese in enger Zusammenarbeit mit den Bistümern in Bayern und Speyer und so auch mit dem Erzbistum München-Freising, durch die
Dr. Thomas Brei nach Tansania gesandt wurde. 22
Missio unterstützt aufgrund dieser Kooperation mit seinem Arbeitgeber das Projekt von Dr. Thomas Brei intensiv, vor allem durch Investitionen in Material und Baukosten. Da die zur Verfügung stehenden Spendengelder sowie die finanziellen Möglichkeiten der Kirchen sich u.a. durch sinkende Mitgliederzahlen seit Jahren verringern und voraussichtlich weiter zurückgehen werden, dürfte eine Investition des Projekts langfristig nicht mehr in demselben Maß wie in den vergangenen Jahren möglich sein. Deshalb deutete Monsignore Huber im Gespräch an, künftig die finanziellen Mittel für Material zu senken und stattdessen auf die Ausbildung von Personal vor Ort zu setzen.23
Zudem wirkt Constanze Bär in großem Maße von Deutschland aus bei der Organisation diverser Spendenaktionen mit. Sie wurde 2017 als Volunteer von der Abteilung Weltkirche der Erzdiözese München-Freising nach Mwanza entsandt, um dort Dr. Thomas Brei zu helfen. Seitdem ist sie als ehrenamtliche Assistentin von Dr. Brei vor allem bei der Öffentlichkeitsarbeit wie der Homepage der Klinik, bei Fragen zum Projekt oder der Koordination von Hilfsprojekten tätig. Zudem ist sie mehrmals jährlich vor Ort und verknüpft so Spenderkreise in Deutschland mit dem Projekt von Dr. Brei in
Tansania.

22 Vgl. https://missio.com/ [06.11.2021]
23 Vgl. Gespräch mit Monsignore W. Huber am 10.10.21

4.2.2 Wasserburg als konkretes Beispiel

Da Dr. Thomas Brei ursprünglich aus Wasserburg am Inn stammt und ihn dementsprechend viele Bewohner der Kleinstadt kennen, hat sich dort in den letzten Jahren ein großer Unterstützerkreis des Projekts gebildet. Dieser organisiert regelmäßig Aktionen, um den Wasserburger Einwohnern das Projekt wieder ins Gedächtnis zu rufen und die St. Clare-Klinik finanziell zu unterstützen. So findet beispielsweise alljährlich ein durch den Unterstützerkreis organisierter Basar statt, bei dem selbstgefertigte Produkte wie Kissen, Kerzen oder Adventskränze sowie Gebäck und Getränke verkauft werden. Obwohl diese Aktion auf den ersten Blick nur wenig gewinnbringend scheint, reichten die Einnahmen aus dem Basar im Jahr 2020 aus, um ein vollständiges
Jahresgehalt eines Klinikmitarbeiters zu sponsern. Auch in der Adventszeit 2021 ist der Basar wieder an zwei Abenden geplant. Der Wasserburger Unterstützerkreis organisierte darüber hinaus beispielsweise den Ausbau und Transport des CT-Gerätes, von dem ich bereits in einem vorangegangenen Gliederungspunkt berichtet habe. Auch das Luitpold-Gymnasium, welches Dr. Thomas Brei in seiner Jugend selbst als Schüler besucht hat, hält den Kontakt zu ihm aufrecht. Einige Lehrer und die Gottesdienstband der Schule organisierten seit Beginn des Projekts in Mwanza immer wieder Benefizkonzerte in der Stadt oder Kirche. Zudem finden regelmäßig Spendenaktionen in Verbindung mit kurzen Informationsveranstaltungen über das Projekt in Tansania statt. Familie Kühn, die schon seit langen Jahren in guter Freundschaft mit Dr. Thomas Brei steht, dient als Bindeglied zwischen Schule und der St. Clare-Klinik und organisiert die Übertragung der Spenden.
Zudem fanden in der Vergangenheit in Wasserburg bereits einige Informationsabende zum Projekt durch Constanze Bär statt. Durch ihre, in verschiedenen Arbeitseinsätzen in Mwanza gesammelten Erfahrungen, hat sie sich zur Ansprechpartnerin für alle Fragen zum Projekt in Deutschland entwickelt.

24 Vgl. Telefonat mit A. Kühn am 14.10.21

4.2.3 Patenschaftsprojekt

2020 wurde von Constanze Bär und Dr. Thomas Brei eine Gehaltspatenschaft für Klinikmitarbeiter als Finanzierungsansatz ausgearbeitet und umgesetzt. Dabei wurden Sponsoren in Deutschland gesucht, welche bereit waren, für einen der ca. 40 Klinikmitarbeiter das Gehalt zu begleichen. Dazu erstellten Dr. Brei und Constanze Bär eine Broschüre, mit kurzen Steckbriefen über die jeweiligen Mitarbeiter sowie Angaben über deren Gehalt, um die Förderer wählen zu lassen, welche Person bzw. welche Summe sie finanzieren wollen. Dabei wurde jedoch stets auf Diskretion zwischen den Paten aus Deutschland und dem Klinikpersonal in Tansania geachtet, um Mitarbeiter, für welche keine Paten gefunden wurden, nicht damit zu konfrontieren. Insgesamt wurde dadurch zwölf Mitarbeitern der Klinik das Gehalt für einige Monate oder sogar ein ganzes Jahr finanziert.
Obwohl das Projekt für nur ein Jahr geplant um umgesetzt wurde, gibt es immer noch Paten, die den Mitarbeitern individuell Fortbildungen finanzieren. Daraus zeigt sich der Erfolg der Aktion trotz der distanzierten Umsetzung.
Allerdings wurde von Missio, über das die Spenden abgewickelt wurden, von einer derartigen Aktion abgeraten, da dadurch der Sozialfonds 25, in welchen die Spenden normalerweise fließen, geschwächt wird. Aus diesem Grund wurden die Gehaltspatenschaften nach einem Jahr wieder beendet.
Dennoch lässt sich festhalten, dass die Idee insofern sinnvoll war, dass die Gehälter der Mitarbeiter, die einen beträchtlichen Anteil der Ausgaben der Klinik betragen, gesichert waren und eine rechtzeitige Auszahlung garantiert werden konnte, was der Klinikleitung besonders am Herzen liegt. Die Klinikangestellten leben meist in einem Familienverbund, den sie durch die Gehälter versorgen und dadurch auf eine termingemäße Auszahlung angewiesen sind.26

25 Siehe 4.2.2
26 Vgl. Broschüre Personal-Paten-Programm 2020 / Vgl. Telefonat mit C. Bär am 26.10.21

4.2.4 Sozialfonds und Spendenprojekte

Die Absetzung der Gehaltspatenschaften geht unter anderem auf die Ausweitung des Sozialfonds zurück. Dieser kann als eine Art Krankenkasse, die hauptsächlich aus Spenden finanziert wird, definiert werden und wird unter anderem dazu verwendet, die Gehälter der Klinikangestellten sowie teilweise oder vollständig die Behandlungskosten der Patienten zu bezahlen. Um bei Bedarf Anteile der Kosten erstattet zu bekommen,
muss der Patient ein Formular ausfüllen, welches unter anderem Informationen zum eigenen Gehalt sowie über die Gehälter des engsten Verwandtschaftskreises und die Versicherungssituation der Familie abfragt. Dieser Antrag wiederum muss durch den Klinikleiter der St. Clare-Klinik bewilligt sowie dokumentiert werden.
Nachdem eine Rechnung durch die Krankenkasse erstellt worden ist, wird diese, je nach Finanzierungsanteil, entweder nur durch den Sozialfonds oder – je nach finanziellen Mitteln des Patienten – von diesem selbst oder in Teilen selbst beglichen. Die Subventionierung durch den Sozialfonds ist ein funktionierendes Beispiel eines
sozialökonomischen Ansatzes zur Finanzierung von Gesundheitsdienstleistungen, da dabei die finanziellen Ressourcen des Krankenhauses nicht strapaziert und trotzdem die sozialen Verhältnisse der Patienten berücksichtigt werden. Große Teile des Sozialfonds werden durch die Kuehn-Foundation finanziert. Ziel des Gründers dieser Stiftung, Dr. Thomas Kühn, ist es, neben der Förderung weiterer Kliniken in Afrika, durch eine
Kooperation mit der St. Clare-Klinik diese mit medizinischem Material zu versorgen sowie Spendengelder zur Unterstützung des Sozialfonds zu generieren. Unter anderem durch diese Stiftung wurde ein Krankenwagen für die Klinik finanziert, welcher speziell für die Klinik umgebaut wurde. (Siehe Anhang, Abbildung 6) Zudem ist Dr. Kühn selbst jährlich vor Ort, um medizinisches Material aus Containern zu verteilen sowie Behandlungen vorzunehmen.
Darüber hinaus wird die St. Clare-Klinik durch verschiedene Spendenaktionen unterstützt. Zuvorderst ist hier die jährlich stattfindende Sternsingeraktion, durch welche die St. Clare-Klinik ca. 35% der pro Jahr benötigten Spenden generiert, zu nennen. Diese Spendengelder werden durch das Kindermissionswerk vermittelt, bei
dem von der Klinik jedes Jahr eine neue Projektnummer beantragt werden muss. Nachdem eine Prüfung über die sinnvolle Verwendung der Spendengelder der letzten Jahre erfolgt ist, wird diese Projektnummer ausgegeben und der Spendenantrag dadurch verlängert.27

27 Vgl. Informationsdatenblatt Sozialfonds / Telefonat mit C. Bär am 26.10.21

4.3 Hindernisse in der Umsetzung und Genehmigungen

Obwohl die staatlichen Gesundheitseinrichtungen wie in 2.1.2 beschrieben meist nicht den gesetzlichen Richtlinien entsprechen, werden diese Auflagen besonders von privat organisierten Kliniken wie der St. Clare-Klinik eingefordert. „Die Beamten sehen das als Stimulus, dass sich private und Missions-Einrichtungen im Guten übertreffen, denn man geht davon aus, dass es hier MOTIVIERTE Mitarbeiter und große Geldressourcen
gibt.“28 Dies stärkt die Gefahr, dass durch die Behörden Gelder eingefordert werden, die von staatlich geführten Krankenhäusern nicht geleistet werden müssen, da der Staat am vermeintlichen Reichtum teilhaben möchte.
Außerdem steht man vor der Herausforderung, dass für den Aufbau eines Krankenhauses Genehmigungen und Registrierungen benötigt werden. Grundsätzlich muss vor Baubeginn eine Baugenehmigung beantragt und die Registrierung durch das Gesundheitsministerium von Distrikt, Region sowie durch die nationale Behörde
eingeholt werden. Zudem benötigt jeder Mitarbeiter eine eigene Lizenz zur Ausübung des medizinischen Berufes, die durch die zuständige Fachvertretung ausgestellt wird.
Des Weiteren muss von der Tanszania Revenue Autority (TRA)29 eine Tax Identification Number (TIN)30 und von der Gemeinde eine Business License31 beantragt werden.
Des Weiteren wird jedes medizinische Gerät vor der Zulassung zur Verwendung durch die OSHA32 geprüft, um die Funktionsfähigkeit sicherzustellen. Einige Geräte benötigen darüber hinaus eine spezielle, jährlich zu erneuernde, Lizenz der TAEC.33
Auch für das in der St.Clare-Klinik enthaltene Labor braucht es eine Zertifizierung durch das Ministerium sowie eine Zulassung für Bluttransmissionen durch die tansanische Blutbank.
Für den Import von medizinischen Geräten, wie sie durch die St. Clare-Klinik aufgrund der vielen Sachspenden aus Deutschland häufig durchgeführt wurden, ist eine Import-Genehmigung durch die TMDA34 vorzuweisen; für Geräte aus dem nicht-medizinischen Bereich muss ein Certificate of Confirmity vom TBS35 beantragt werden. Daneben erfolgt bei jedem Import die Kontrolle durch das Finanzamt.
Wie diese Auflistung deutlich macht, sind vor allem die Genehmigungen für gesundheitliche Einrichtungen höchst komplex und erfordern viel organisatorischen Aufwand sowie Durchhaltevermögen, um diese zu erlangen. Zudem werden auf Gesundheitsdienstleitungen Steuern erhoben, die es finanziell zu stemmen gilt. Allen voran ist hier die Income Tax36 zu nennen, die bei Monatsgehältern von über 100 € mit 9% des Einkommens und mit zunehmender Lohnhöhe steigt. Diese wird bei den meisten Klinikmitarbeitern fällig.37

28 Emaildialog mit Dr. T. Brei vom 25.10.21
29 Tansanisches Finanzamt
30 Steuernummer
31 Gewerbelizenz
32 Occupational Safety and Health Administration, TÜV-ähnlich
33 Tanzania Atomic Energy Commission
34 Tanzania Medicines and Medical Authority
35 Tanzania Bureau of Standards

36 Lohnsteuer
37 Vgl. Emaildialog mit Dr. T. Brei vom 25.10.21

5. Schluss

Unter Berücksichtigung aller in der Arbeit erläuterten Probleme in Tansania steht es klar vor Augen, dass die Finanzierung von Gesundheitsdienstleistungen, die auf Spenden basieren, mehr als schwierig ist. Dennoch setzt die St. Clare-Klinik diesen, für arme Menschen zugänglichen Weg der Versorgung von Patienten, bereits überaus gut um, wobei Dr. Thomas Brei und sein Team stets daran arbeiten, die Behandlung durch noch
besser finanzierbare Krankenhausaufenthaltskosten für den armen Teil der Bevölkerung zu ermöglichen. Zudem wird die technische Ausstattung des Krankenhauses immer besser, indem derzeit beispielsweise Solarmodule installiert werden, um eine sichere und effiziente Stromversorgung des Krankenhauses sicherzustellen. (Siehe Anhang, Abbildung 7)
In Zukunft wird es jedoch unverzichtbar sein, das Gesundheitswesen in Tansania zu optimieren, indem man in ein funktionierendes Versicherungssystem mit bezahlbaren Beiträgen sowie in die Ausstattung der staatlichen Gesundheitseinrichtungen finanziert. Dadurch würde sich auf lange Sicht wahrscheinlich sogar das Bevölkerungswachstum verringern, da die Familie nicht mehr als Alters- oder Krankenversicherung dienen
müsste.
Diese Schritte liegen jedoch fast ausschließlich in der Hand der Regierung, während Dr. Thomas Brei nicht mehr tun kann als den Fortbestand seines Krankenhauses zu sichern und dadurch die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung seiner Region zu garantieren.
Durch meinen persönlichen Einblick in die sozialökonomische Lage in Tansania und den daraus resultierenden Problemen im Gesundheitssystem möchte ich abschließend appellieren, Dr. Thomas Brei und sein Projekt weiterhin finanziell zu unterstützen. Gerade mit Blick auf unseren Wohlstand in Verbindung mit dem funktionierenden Gesundheitssystem in Deutschland sehe ich es als zwischenmenschliche Verantwortung,
unseren Blick zu weiten und Projekte wie die St. Clare-Klinik zu fördern.

6. Bilder


Abbildung 1: Lage der St. Clare-Klinik

Abbildung 2: Klinkausstattung
Abbildung 3: Dr. Thomas Brei
Abbildung 4: CT-Gerät aus Wasserburg in Betrieb
Abbildung 5: Personal der St. Clare-Klinik
Abbildung 6: Krankenwagen aus Spendengelder
Abbildung 7: Solarkollektor vor der Installation auf dem Klinikgelände

Ohne Literaturverzeichnis!

Dr. med. Thomas Brei
Missionary Doctor

St. Clare Clinic Foundation
P.O. Box 75
Mwanza
TANZANIA