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Berichterstattung in der Schwäbischen Zeitung, Okt. 2022

Okt 13, 2022 | Neuigkeiten, Presseberichte

Schwäbische Zeitung, 13.10.2022

„Medizintechnik ist auf dem Weg nach Tansania“

Dr. Thomas Kühn bildet Ärzte in afrikanischen Ländern aus, operiert selbst und kümmert sich um die Ausstattung.

Für den Biberacher Unfallchirurgen und Orthopäden Dr. Thomas Kühn ist seine Stiftung Kühn Foundation längst zum Herzensprojekt geworden. Zwei große Überseecontainer voll mit Medizintechnik sind aktuell wieder auf dem Weg nach Tansania. Dort werden die medizinischen Geräte und Instrumente auf verschiedene Krankenhäuser verteilt. Ende des Jahres fliegt Thomas Kühn (Mitbegründer der Nova Clinic) dann wieder nach Ostafrika und kümmert sich um die Verteilung, aber auch um die Ausbildung der örtlichen Ärzte und operiert selbst. 

„Ich habe eine gewisse Verbundenheit zu Tansania, das Land ist meine zweite Heimat geworden“, sagt der 70-Jährige. „Außerdem ist es eine schöne Sache, dass ich noch in meinem Beruf weiterarbeiten und so mein Wissen weitergeben kann.“ Denn in Tansania besteht in der ärztlichen Versorgung, vor allem, wenn es um orthopädische und unfallchirurgische Eingriffe geht, noch großer Nachholbedarf. Tansania hat rund 62,5 Millionen Einwohner. Es gibt im Schnitt einen Arzt pro 10000 Einwohner. Zum Vergleich: In Biberach sind es 3,5 Ärzte, und dabei sind Fachärzte nicht mitgerechnet. 

Vor 40 Jahren lebte Dr. Kühn für zwei Jahre in Tansania und arbeitete dort bereits in der Entwicklungshilfe. „Seither hat sich glücklicherweise viel in der medizinischen Versorgung getan“, erzählt er. „In vielerlei Hinsicht kann man es aber mit unseren Krankenhäusern immer noch nicht vergleichen.“ In vielen Städten seien die Krankenhäuser mittlerweile gut ausgestattet, aber auf den Dörfern sehe das ganz anders aus. Die bisherige Entwicklungshilfe spezialisiere sich sehr auf die allgemeine medizinische Versorgung und auf Impfkampagnen, „die Chirurgie ist im Verhältnis dazu eine teure Therapie“. Dabei sei das ein wichtiges Thema. Viele Menschen vor Ort kämpfen mit den Spätfolgen von Unfällen. „Wenn ich zum Beispiel an Kinder mit Klumpfuß denke, die niemals richtig laufen können, wenn man sie nicht behandelt“, sagt Dr. Kühn. 

2018 gründete der Biberacher Arzt deshalb die Kühn Foundation mit dem Ziel, selbst immer mal wieder hinzufliegen und sich um die Menschen zu kümmern – sei es mit Operationen, aber auch mit Sprechstunden. Weil er aber nicht immer vor Ort sein kann, ist es ihm wichtig, die örtlichen Ärzte und Krankenschwestern so auszubilden, dass sie auch selbst aktiv werden können und wissen, was im Notfall zu tun ist. „Ich stelle mich bei Operationen dazu, assistiere und bilde aus“, sagt Dr. Kühn. Neben dem persönlichen Einsatz ist die Kühn Foundation aber auch auf Spenden angewiesen, schließlich müssen die Krankenhäuser vor Ort auch mit der nötigen Medizintechnik ausgestattet werden. 

Zwei Überseecontainer sind nun wieder voll. Neben Geldspenden bekommt er auch Sachspenden, so konnte er mit seinem Team aus ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern auch schon die alte Chirurgie der Universitätsklinik Heidelberg ausräumen und auch im alten Biberacher Krankenhaus gab es noch gut erhaltene Instrumente und Geräte, die bereits in Tansania von den Ärzten benutzt werden. So arbeitet er auch eng mit der Sammelzentrale der Aktion Hoffnung in Laupheim zusammen. „Allein, ohne Helfer und Partner, könnte ich das alles nicht stemmen“, sagt Dr. Kühn. Und auf das, was er in den vergangenen Jahren an verschiedenen Krankenhäusern in Tansania geleistet hat, kann er auch stolz sein. „Es ist wirklich schön, zu helfen, und zu spüren, wie dankbar die Menschen sind.“ 

Ein Krankenhaus, das von Dr. Kühn unterstützt wird, ist beispielsweise die St. Clare Clinic in Mwanza. Ein deutscher Arzt, Dr. Thomas Brei, hat diese Klinik aufgebaut und lebt seit Jahren dort: „Es ist natürlich immer wichtig, gute Ansprechpartner vor Ort zu haben und zu wissen, dass auch alles ankommt und funktioniert“, sagt Dr. Kühn. „Ich arbeite gerne mit solchen Missionskrankenhäusern zusammen und schätze die lokalen Mannschaften sehr.“ Auch das Krankenhaus in Wasso liegt ihm besonders am Herzen. „Es liegt mitten in einem Massai-Gebiet, im Norden Tansanias auf 2000 Metern Höhe, da arbeite ich sehr gerne.“ 

Ziele für die Zukunft hat Dr. Kühn auch einige: „Ich möchte gerne noch weitere Ärzte finden, die ebenfalls regelmäßig in Tansania vor Ort sind und helfen.“ Es sollen künftig auch noch mehr Krankenhäuser medizintechnisch besser ausgestattet werden und zusätzlich möchte er ein zentrales Lager für Instrumente und andere Ausrüstung einrichten. Deshalb freut er sich auch jetzt schon darauf, dass er bald wieder nach Tansania reisen und seine Vorhaben anpacken kann: „Sobald die neuen Container angekommen sind, fliege ich wieder hin.“

Hier zeigt Dr. Thomas Kühn den Ärzten und Krankenschwestern vor Ort, wie man einen Gips anlegt
Dr. Thomas Kühn bei seiner Arbeit in Tansania: So wird eine Schulter eingerenkt.

Weitere Informationen zur Kühn-Foundation gibt es unter: https://www.kuehn-foundation.de

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